Abgedreht

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Der Roman „Verlorene Schäfchen“ von Madeline Cash erzählt von der Familie Flynn, die nach außen hin alle Voraussetzungen für ein geordnetes Vorstadtleben mitbringt und innerlich längst zerrüttet ist. Jedes Familienmitglied versucht auf seine eigene Weise mit der Krise umzugehen: Die Mutter stellt mit ihrer Entscheidung, die Ehe zu öffnen, das bisherige Gefüge infrage, während Vater Bud sich zunehmend zurückzieht. Auch die drei Töchter bewegen sich auf sehr unterschiedlichen, teils skurrilen Wegen durch ihre persönlichen Probleme. Dabei wirkt vieles überzeichnet und abgedreht, was den Reiz des Romans ausmacht.

Besonders gelungen fand ich deshalb den Ton des Romans: stellenweise bitterböse und witzig, dann wieder überraschend warmherzig. Viele Beobachtungen sind pointiert und bleiben im Gedächtnis: „Kinder hinterließen immer Spuren. Wie Schnecken.“ Die Handlung selbst hat aus meiner Sicht kleinere Schwächen und wirkt stellenweise etwas zerfasert. Das macht aber nichts, weil der Roman vor allem von seinen Figuren und seinem Ton lebt.