Eine Familie kurz vor dem Nervenzusammenbruch

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Seit es in der Ehe der Fynns kriselt, geht es für sämtliche Familienmitglieder bergab – und es ist herrlich spaßig, sie dabei zu begleiten!

Was ich gleich zu Beginn hervorheben möchte, ist der unglaublich gelungene Schreibstil. Madeline Cash schreibt herrlich trocken-humorig nicht nur über die Abwege der Fynns, sondern über sämtliche handelnde Figuren dieses Romans. Da ist der Pfarrer, der gegen eine Mückenplage in seiner Kirche kämpft, da ist ein Milliardär mit Größenwahn (nicht ganz so abwegig), da ist die Leiterin der Selbsthilfegruppe »Die verlorenen Schäfchen«, die für die Mückenplage in der Kirche verantwortlich ist ...

Eine ganz Menge skurriler Figuren bevölkern die amerikanische Vorstadt, in der sich das absurde Geschehen entfaltet. Diese Figuren sind eine weitere Stärke des Buches. Obwohl jede einzelne von ihren alle komplett überzeichnet ist, erwecken sie den Eindruck, eigenständig handelnde und fühlende Individuen zu sein. Als Leser fiebert und leidet man unwillkürlich mit ihnen mit. Gerade die 3 Töchter der Flynns wachsen einem ans Herz, in ihren Versuchen, sich als Teenager in einer Welt zurechtzufinden, in der nichts garantiert zu sein scheint und sich alles stets im Wandel befindet.

Ich hätte den Eskapaden der Flynns noch länger folgen können, doch etwa ab der Hälfte bekommt die Story sowohl einen leicht anderen Ton als auch eine anderen Schwerpunkt. Für mich hätte es die im Klappentext erwähnte Verschwörung nicht gebraucht, die Story war auch so packend genug. Da hat mich der Text dann auch stellenweise verloren, das war mir insgesamt dann doch eine Spur zu drüber. Die Präzision, mit der besonders in der ersten Hälfte Familien- und Kleinstadtdynamiken seziert wurden, leidet anschließend meiner Ansicht nach unter dem Plot und verliert an Witz und Schärfe.

Dennoch eine Leseempfehlung für alle, die skurille Figuren, unkonventionell Familienmodelle und trockenen Humor lieben!

Gleichzeitig Tragikömodie, Coming-of-Age-Story und Portrait einer ziemlich (un)gewöhnlichen Familie sorgt »Verlorene Schäfchen« für gute Unterhaltung – wenn mit ein paar Abstrichen in der zweiten Romanhälfte.

3.5 von 5 ⭐