Unterhaltungswert 1000, aber mit Abzug für rassistische Stereotype

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nessabo Avatar

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Ich habe die Lektüre von vorn bis hinten geliebt. Madeline Cash hat in lockerem Ton ein überspitztes, skurriles Werk geschrieben, das mich äußerst gut unterhalten hat. Dafür hat es 5 Sterne verdient. Es gibt aber doch ein paar Stereotype, die deutlich rassistisch sind und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mich erst andere Lesende darauf aufmerksam gemacht haben, obwohl es schon wirklich sehr deutlich ist. Aus diesem Grund möchte ich aber auch nicht mehr die volle Bewertung geben.

Trotzdem soll auch Raum sein für die großartige Unterhaltung, die Cash geliefert hat. Die kurzen Kapitel, der einfache Schreibstil mit vielen Dialogen und die pointierten Figuren haben das Lesen absolut leicht gemacht. Ich mochte die Geschichte auch strukturell, weil sie sich von einem Familiendrama zu einem spannenden, aber völlig ungruseligen Krimi entwickelte. Dabei greift die Autorin auch das Thema Verschwörungserzählungen auf verschiedene Arten auf, behält dabei aber stets ihren satirischen Unterton bei.

Sie hat ein gutes Feingefühl für Spannungssteigerung und das skurrile Überzeichnen ihrer Figuren. Ich habe das sehr gemocht, aber genau diesen Elementen sollte mensch natürlich nicht abgeneigt sein, wenn das Buch gelesen werden soll.

Bis hierhin wollte ich klare 5 Sterne geben, doch dann stieß ich auf die erste Kritik und auch, wenn ich vielleicht nicht jede Einschätzung über die Autorin teile (dafür habe ich schlicht zu wenig Informationen), arbeitet sie schon mit einigen Narrativen, die nicht anders als muslimfeindlich/rassistisch gelesen werden können. Die Dichotomie von dem bösen Muslim und dem guten Juden möchte ich nicht unterstützen, auch Satire hat ihre Grenzen. Und ich kann bei diesen beiden betroffenen Nebenfiguren den satirischen Ansatz auch gar nicht so wirklich erkennen. Die Autorin verletzt Menschen unnötig und macht damit Gräben nur noch tiefer.

Gleichzeitig möchte ich auch nicht mehr als diesen einen Stern von der Wertung abziehen, was gern kritisiert werden darf, aber am Ende bleibt meine Bewertung immer auch eine gefühlte Entscheidung und ich fand zu viel an diesem Roman ganz groß, um ihn schlecht zu bewerten.

Eine damit eingeschränkte Empfehlung - wirklich große Unterhaltung mit rassistischen Narrativen, die nicht in ein lustiges und pointiertes Werk wie dieses gehören. Wer das einzuordnen und zu kritisieren vermag, darf sich gern von dieser Geschichte mitreißen lassen, die so absurd ist, dass die Zeit im Nu vergeht und mensch sich am Ende gleichzeitig fragt: „Was habe ich da eigentlich gerade gelesen?“.