Fantasievolle Neuinterpretation der Schwanensee-Geschichte

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
hapedah Avatar

Von

Seit vielen Jahren ist die Magie aus dem Königreich Auréal verschwunden, die Zaubernden, müssen sich vor den Augen der Bevölkerung verbergen. Odiles Ziehvater, der Theaterdirektor Regnault, bereitet sie seit ihrer Kindheit darauf vor, die verzauberte Krone des Königshauses zu stehlen, mit deren Hilfe er die Magie zurück holen möchte. Dafür muss Odile die Gestalt von Marie d´Odette, der Auserwählten des Kronprinzen, annehmen, Marie selbst verwandelt Regnault in einen Schwan. Doch kurz nach Odiles Ankunft im Schloss wird der König brutal ermordet und ausgerechnet der Leibwächter Damien, Odiles Bruder, wird verdächtigt. Um seine Unschuld zu beweisen, benötigt Odile Maries Unterstützung, die in ihrer Schwanengestalt Zeugin der Tat war. Bald stehen Odiles Gefühle für die Schwanenprinzessin ihrer Loyalität zu Regnault im Weg und die junge Zauberin ahnt nicht, dass die Zukunft des gesamten Reiches von ihr abhängt.

"Verrat der Schwäne" von A. B. Poranek ist eine fesselnde Adaption der Schwanensee-Geschichte, die mich bis zur letzten Seite bezaubert hat. Das Personenverzeichnis am Anfang und die Kapitelbezeichnungen als Szenen erinnert an ein Theaterstück, das ließ die Atmosphäre des Théatre du Roi, das Regnault leitet, in meinen Augen besonders intensiv wirken. Odile ist zu Beginn zwar nicht unbedingt die typische Sympathieträgerin, es hat etwas länger gedauert, ehe ich mit ihr warm werden konnte, dennoch war ich emotional direkt in die Handlung eingetaucht und habe halb amüsiert, halb gespannt mit erlebt, wie sie Marie mit fadenscheinigen Argumenten in die abgelegenen Regionen des Theaters lockt, um sie zu ihrem Ziehvater zu bringen.

Den Schreibstil habe ich als recht ungewöhnlich empfunden, stellenweise genau so ausschweifend und opulent wie ich mir Regnaults Theater vorstelle, was für mich sehr gut zu der märchenhaften Adaption passt. Die düstere Hintergrundstimmung und die oft ambivalent wirkenden Figuren haben auf mich einen ganz eigenen Zauber ausgeübt, das Leseerlebnis hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und begeistert. Sowohl Regnault als auch die Mitglieder der Königsfamilie fand ich ihrer Motivation schwer durchschaubar, was die Spannung auf einem konsequent hohen Niveau gehalten hat. Der Epilog hat mich schließlich rundum zufrieden zurück gelassen, so dass ich für diesen fantasievollen Roman gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Düster, märchenhaft und unglaublich fesselnd hat mich dieses ungewöhnliche Buch auf jeder einzelnen Seite bezaubert, das fantasievolle Lesevergnügen empfehle ich gern weiter.