Sterbender Schwan

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evaerl Avatar

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Kurze Zusammenfassung der Handlung



Verrat der Schwäne ist ein düsteres Retelling von Schwanensee und erzählt die Geschichte von Odile, die zwischen Magie, Intrigen und alten Versprechen gefangen ist. Aufgewachsen unter der Kontrolle ihres manipulativen Stiefvaters, wird sie in eine Rolle gedrängt, die sie nie freiwillig gewählt hätte. Während sie versucht herauszufinden, wem sie trauen kann und wer sie selbst sein möchte, kreuzen sich ihre Wege immer wieder mit Marie, deren Vergangenheit eng mit ihrer eigenen verknüpft ist. Gemeinsam müssen sie sich alten Traumata, Verrat und der Wahrheit über sich selbst stellen.

Meine Rezension



Ich muss sagen, das war ein wirklich sehr schönes Schwanensee-Retelling. Ich bin komplett ohne Erwartungen an dieses Buch herangegangen und genau das war im Nachhinein sehr positiv, denn ich wurde mehr als begeistert überzeugt.

Das Cover hat mich zunächst etwas abgeschreckt, da ich es persönlich alles andere als schön finde. Da es für mich jedoch nie auf das Cover ankommt, sondern vor allem auf den Klappentext, habe ich mich trotzdem an das Buch gewagt. Außerdem mochte ich Schwanensee schon immer sehr gern, was meine Neugier zusätzlich geweckt hat.

Der Schreibstil war sehr angenehm. Besonders gefallen hat mir die Perspektive, aus der das Buch geschrieben ist, da man sich so sehr gut in Odile hineinversetzen und sie verstehen konnte. Hin und wieder bin ich allerdings über einige Namen gestolpert, bei denen ich mir gewünscht hätte, dass sie etwas einfacher gehalten wären.

Odile hat eine unglaubliche charakterliche Entwicklung durchgemacht. Sie zweifelte oft an sich selbst, wurde immer wieder in die Irre geführt und wusste lange Zeit nicht, wem sie trauen kann wer gut ist, wer böse und was sie selbst eigentlich sein möchte. Am Ende hat sie jedoch den Weg zu sich selbst gefunden und sich genau dem gestellt, was ihr am meisten Angst gemacht hat. Sie hat sich durchgesetzt und ist zu dem Menschen geworden, der sie immer sein wollte. Sie hat ihren eigenen Weg gefunden und ist ihn auch gegangen.

Marie ist ebenfalls eine sehr schöne Figur. Auch bei ihr erfahren wir viel über die Vergangenheit, ihre eigentlichen Wünsche und darüber, was sie im Leben wirklich braucht. Sie entwickelt sich charakterlich stark weiter: von einem kleinen Schwan in einer großen Welt zu einer jungen Frau, die sich traut, ihre Meinung zu sagen und für das einzustehen, was ihr wichtig ist.

Besonders schön fand ich die Verbindungen zwischen Odile und Marie. Man lernt ihre gemeinsame Vergangenheit kennen und versteht, warum sie zu den Menschen geworden sind, die sie heute sind. Auch dass sie sich einander öffnen, war sehr berührend. Die Einblicke in ihre jeweiligen Vergangenheiten die zunächst unabhängig voneinander wirken haben dazu geführt, dass man ein tiefes Verständnis für beide Figuren bekommt und auch dafür, warum sie sich einander annähern.

Odiles Stiefvater war mir von Anfang an unsympathisch. Ich hatte ständig das Gefühl, dass er Odile in eine Rolle zwingt, die sie eigentlich gar nicht einnehmen möchte. Gleichzeitig fühlt sie sich ihm gegenüber verpflichtet, da er sie und ihren Bruder angeblich aus einer schlimmen Situation gerettet hat. Die Entscheidungen und Entwicklungen rund um ihren „Vater“ fand ich jedoch sehr spannend und gut geschrieben so, dass man nicht sofort erahnen konnte, worauf alles hinausläuft.

Aimé war für mich anfangs eher ein nerviger Charakter. Er wirkte oft überheblich und anstrengend. Durch seine charakterliche Entwicklung wurde er jedoch zunehmend interessanter und nahm schließlich eine wirklich gute und spannende Rolle in der Geschichte ein. Seine Entwicklung war stellenweise recht vorhersehbar, was mich aber nicht sonderlich gestört hat. Auch die Geschichte rund um ihn und seine Stiefmutter war gut umgesetzt und so geschickt eingebaut, dass man ihre Rolle lange Zeit nicht richtig einschätzen konnte.

Die Handlung insgesamt nimmt sehr schnell Fahrt auf. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches konnte ich es kaum noch aus der Hand legen. Lediglich das Ende hätte meiner Meinung nach ruhig noch etwa 100 Seiten mehr vertragen können. Es wirkte auf mich, als hätte man versucht, die Geschichte recht schnell abzuschließen, anstatt ihr insgesamt noch mehr Raum zu geben. Dadurch lief das Ende etwas zu glatt ab. Trotzdem entsprach das Ende im Großen und Ganzen meinen Erwartungen auch wenn ich es mir deutlich ausführlicher gewünscht hätte.