Durchwachsenes Debüt mit Atmosphäre und düsterem Grundton
„Vesselless – Mein verräterisches Herz“ von Cortney L. Winn ist ein düsterer Romantasy Roman und der Auftakt zur „Merciless Realms“-Reihe. Der Klappentext hat mich richtig neugierig gemacht: Geister, Seelen, ein toter König, ein Pakt mit dem Gott des Todes – das klang nach genau der Art Geschichte, die ich eigentlich liebe. Viel Drama, viel Dunkelheit, viel Gefühl. Umso ernüchternder war am Ende mein Leseeindruck, denn „Vesselless – Mein verräterisches Herz“ ist für mich ein Buch mit vielen spannenden Ideen, in das ich leider trotzdem nie wirklich hineingekommen bin. Es ist nicht schlecht. Aber es konnte mich leider auch nicht richtig erreichen.
Die Grundidee ist stark. Nizzara ist die Thronfolgerin eines Königreichs, aufgewachsen in einem System aus Gewalt und Kontrolle. Ihr Vater hat sie zu einer Kämpferin ausgebildet, die sogenannte Vesseln nutzt, um sich die Macht von Geistern zunutze zu machen. Geister spielen hier generell eine große Rolle. Sie sind mächtig, gefährlich und alles andere als romantisch verklärt. Um ein grausames Königsduell zu überleben, bleibt Nizzara keine Wahl, als sich genau auf diese Magie einzulassen. Und damit kommt Dagen ins Spiel. Der rechtmäßige, aber tote König von Zarr. Er ist ein Deathwalker, wandert zwischen den Welten und ist durch einen Pakt an den Gott des Todes gebunden. Um seine eigene Seele zu retten, muss er Nizaras Seele stehlen, bzw. sie muss ihm ihre Seele freiwillig überlassen.
Auch der Einstieg in die Geschichte beginnt stark und man wird ohne große Vorwarnung direkt ins Geschehen geworfen. Die Welt ist grausam, die Gewalt allgegenwärtig, und Nizzaras Leben ist geprägt von Training, Schmerz und Kontrolle. Besonders das Verhältnis zu ihrem Vater ist schwer auszuhalten – emotional wie körperlich – und gleichzeitig interessant, weil Nizzaras Loyalität zu ihm trotz all seiner Grausamkeit glaubwürdig dargestellt wird.
Was für mich allerdings immer schwieriger wurde, war der Zugang zu Nizzara selbst. Sie spricht viel von der Dunkelheit in sich, von Schuld, von innerer Zerrissenheit, aber all das konnte ich selten wirklich spüren. Ihre Stimme blieb für mich über weite Strecken gleich, unabhängig davon, wie viel Zeit vergeht oder was sie erlebt. Dazu kommt, dass sie unglaublich viele Kämpfe meistens nur ganz knapp überlebt und sich stets wiederholenden Trainingseinheiten gegenüber findet. Anfangs schien es noch recht spannend, aber irgendwann folgte vieles oft demselben Muster und ich dachte mir nur „Es wird doch eh wieder alles gut.“ Zumal es in Kombination mit all den körperlichen und psychischen Belastungen echt schwer fiel, diese Erfolge demnach nachzuvollziehen.
Ganz anders ging es mir mit Dagen. Er ist charismatisch, innerlich zerrissen und bringt eine starke Präsenz mit. Sein Konflikt zwischen Pflicht, Schuldgefühl und dem Wunsch, seinem Volk zu helfen, war für mich greifbarer. Auch seine Entwicklung fand ich stimmiger.
Was für mich allerdings nicht ganz funktioniert hat, war die Liebesgeschichte. Das Buch wird stark als Romantasy beworben, mit Enemies to Lovers Vibes. Allerdings fehlte mir persönlich ein wenig dieses typisch feindseelige, bzw. das Misstrauen, welches sich nach und nach in gegenseitigen Respekt und hin zur Zuneigung wandelt. Die Annäherung zwischen Nizzara und Dagen dauert sehr lange, und als Gefühle dann stärker thematisiert werden, fühlte es sich für mich vor allem aus Nizzaras Sicht etwas plötzlich an. Bei Dagen konnte ich es nachvollziehen, denn er kann in Erinnerungen der Menschen blicken. Und lernt Nizzara so ohne ihr Zutun besser kennen. Aber bei ihr kam es für mich eher aus dem Nichts. Da hätte ich mir mehr Zeit, mehr Tiefe, mehr echte gemeinsame Momente gewünscht.
Positiv hervorheben möchte ich dagegen die wechselnden Erzählperspektiven zwischen Nizzara und Dagen. Das hat dem Buch Struktur gegeben und geholfen, beide Figuren besser zu verstehen. Besonders gelungen waren für mich die Tagebucheinträge von Daes Schwester Lo am Anfang vieler Kapitel. Sie haben Atmosphäre geschaffen, Fragen aufgeworfen und mir oft mehr gegeben als das eigentliche Kapitel danach. Für mich eines der stärksten Elemente des Buches.
Das Worldbuilding ist… schwierig. Es steckt zwar voller Ideen: Geister, Seelenbindungen, Vessels, Hüter, Rebellen, andere Dimensionen, vergangene Reiche, sogar technische Elemente wie Glo-Kars. Manches davon fand ich spannend, anderes eher irritierend. Insgesamt blieb mir die Welt zu unklar. Vieles wird angerissen, aber nicht so erklärt, dass ich wirklich verstanden hätte, wie alles zusammenhängt. Gerade das Magiesystem nimmt unglaublich viel Raum ein, ohne für mich wirklich greifbar zu werden.
Der Schreibstil ist grundsätzlich gut lesbar, bildhaft und passend zur düsteren Stimmung, aber stellenweise auch etwas langatmig. Das Tempo schwankt stark. Der Anfang macht neugierig, der Mittelteil zieht sich für mein Empfinden deutlich, bevor das letzte Drittel wieder an Spannung gewinnt.
Am Ende bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck. „Vesselless – Mein verräterisches Herz“ hat Atmosphäre, gute Ansätze und einzelne wirklich starke Elemente. Gleichzeitig verliert sich das Buch für mich zu sehr in Wiederholungen, Unklarheiten und Erwartungen, die es selbst aufbaut, aber nicht ganz einlöst. Ich sehe das Potenzial. Ich verstehe, warum andere dieses Buch lieben. Emotional bin ich aber nie ganz angekommen. Vielleicht greife ich irgendwann noch zu Band zwei, denn neugierig bin ich schon. Aber überzeugt hat mich dieser Auftakt leider nur bedingt.
Fazit:
„Vesselless – Mein verräterisches Herz“ von Cortney L. Winn ist ein solides, aber durchwachsenes Debüt mit Atmosphäre, düsterem Grundton und interessanten Ansätzen. Doch hapert es ein wenig in der Tiefe der Figurenentwicklung. Wer jedoch kein Problem mit einem ruhigeren, stellenweise repetitiven Erzähltempo hat und komplexe Welten mag, könnte dennoch Freude an der Geschichte finden.
Die Grundidee ist stark. Nizzara ist die Thronfolgerin eines Königreichs, aufgewachsen in einem System aus Gewalt und Kontrolle. Ihr Vater hat sie zu einer Kämpferin ausgebildet, die sogenannte Vesseln nutzt, um sich die Macht von Geistern zunutze zu machen. Geister spielen hier generell eine große Rolle. Sie sind mächtig, gefährlich und alles andere als romantisch verklärt. Um ein grausames Königsduell zu überleben, bleibt Nizzara keine Wahl, als sich genau auf diese Magie einzulassen. Und damit kommt Dagen ins Spiel. Der rechtmäßige, aber tote König von Zarr. Er ist ein Deathwalker, wandert zwischen den Welten und ist durch einen Pakt an den Gott des Todes gebunden. Um seine eigene Seele zu retten, muss er Nizaras Seele stehlen, bzw. sie muss ihm ihre Seele freiwillig überlassen.
Auch der Einstieg in die Geschichte beginnt stark und man wird ohne große Vorwarnung direkt ins Geschehen geworfen. Die Welt ist grausam, die Gewalt allgegenwärtig, und Nizzaras Leben ist geprägt von Training, Schmerz und Kontrolle. Besonders das Verhältnis zu ihrem Vater ist schwer auszuhalten – emotional wie körperlich – und gleichzeitig interessant, weil Nizzaras Loyalität zu ihm trotz all seiner Grausamkeit glaubwürdig dargestellt wird.
Was für mich allerdings immer schwieriger wurde, war der Zugang zu Nizzara selbst. Sie spricht viel von der Dunkelheit in sich, von Schuld, von innerer Zerrissenheit, aber all das konnte ich selten wirklich spüren. Ihre Stimme blieb für mich über weite Strecken gleich, unabhängig davon, wie viel Zeit vergeht oder was sie erlebt. Dazu kommt, dass sie unglaublich viele Kämpfe meistens nur ganz knapp überlebt und sich stets wiederholenden Trainingseinheiten gegenüber findet. Anfangs schien es noch recht spannend, aber irgendwann folgte vieles oft demselben Muster und ich dachte mir nur „Es wird doch eh wieder alles gut.“ Zumal es in Kombination mit all den körperlichen und psychischen Belastungen echt schwer fiel, diese Erfolge demnach nachzuvollziehen.
Ganz anders ging es mir mit Dagen. Er ist charismatisch, innerlich zerrissen und bringt eine starke Präsenz mit. Sein Konflikt zwischen Pflicht, Schuldgefühl und dem Wunsch, seinem Volk zu helfen, war für mich greifbarer. Auch seine Entwicklung fand ich stimmiger.
Was für mich allerdings nicht ganz funktioniert hat, war die Liebesgeschichte. Das Buch wird stark als Romantasy beworben, mit Enemies to Lovers Vibes. Allerdings fehlte mir persönlich ein wenig dieses typisch feindseelige, bzw. das Misstrauen, welches sich nach und nach in gegenseitigen Respekt und hin zur Zuneigung wandelt. Die Annäherung zwischen Nizzara und Dagen dauert sehr lange, und als Gefühle dann stärker thematisiert werden, fühlte es sich für mich vor allem aus Nizzaras Sicht etwas plötzlich an. Bei Dagen konnte ich es nachvollziehen, denn er kann in Erinnerungen der Menschen blicken. Und lernt Nizzara so ohne ihr Zutun besser kennen. Aber bei ihr kam es für mich eher aus dem Nichts. Da hätte ich mir mehr Zeit, mehr Tiefe, mehr echte gemeinsame Momente gewünscht.
Positiv hervorheben möchte ich dagegen die wechselnden Erzählperspektiven zwischen Nizzara und Dagen. Das hat dem Buch Struktur gegeben und geholfen, beide Figuren besser zu verstehen. Besonders gelungen waren für mich die Tagebucheinträge von Daes Schwester Lo am Anfang vieler Kapitel. Sie haben Atmosphäre geschaffen, Fragen aufgeworfen und mir oft mehr gegeben als das eigentliche Kapitel danach. Für mich eines der stärksten Elemente des Buches.
Das Worldbuilding ist… schwierig. Es steckt zwar voller Ideen: Geister, Seelenbindungen, Vessels, Hüter, Rebellen, andere Dimensionen, vergangene Reiche, sogar technische Elemente wie Glo-Kars. Manches davon fand ich spannend, anderes eher irritierend. Insgesamt blieb mir die Welt zu unklar. Vieles wird angerissen, aber nicht so erklärt, dass ich wirklich verstanden hätte, wie alles zusammenhängt. Gerade das Magiesystem nimmt unglaublich viel Raum ein, ohne für mich wirklich greifbar zu werden.
Der Schreibstil ist grundsätzlich gut lesbar, bildhaft und passend zur düsteren Stimmung, aber stellenweise auch etwas langatmig. Das Tempo schwankt stark. Der Anfang macht neugierig, der Mittelteil zieht sich für mein Empfinden deutlich, bevor das letzte Drittel wieder an Spannung gewinnt.
Am Ende bleibt für mich ein zwiespältiger Eindruck. „Vesselless – Mein verräterisches Herz“ hat Atmosphäre, gute Ansätze und einzelne wirklich starke Elemente. Gleichzeitig verliert sich das Buch für mich zu sehr in Wiederholungen, Unklarheiten und Erwartungen, die es selbst aufbaut, aber nicht ganz einlöst. Ich sehe das Potenzial. Ich verstehe, warum andere dieses Buch lieben. Emotional bin ich aber nie ganz angekommen. Vielleicht greife ich irgendwann noch zu Band zwei, denn neugierig bin ich schon. Aber überzeugt hat mich dieser Auftakt leider nur bedingt.
Fazit:
„Vesselless – Mein verräterisches Herz“ von Cortney L. Winn ist ein solides, aber durchwachsenes Debüt mit Atmosphäre, düsterem Grundton und interessanten Ansätzen. Doch hapert es ein wenig in der Tiefe der Figurenentwicklung. Wer jedoch kein Problem mit einem ruhigeren, stellenweise repetitiven Erzähltempo hat und komplexe Welten mag, könnte dennoch Freude an der Geschichte finden.