Postkarten ins Jenseits

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Finn ist mit seiner Familie im Urlaub und langweilt sich. Zum Glück hat seine Schwester eine rettende Idee: Sie ermutigt ihn, Postkarten zu schreiben. Dass er sich dafür ausgerechnet den verstorbenen Flavio aussuchen würde, konnte sie nicht ahnen …
Finn verfasst seine erste Karte und legt sie auf dem Friedhof vor Flavios Grabstein ab. Umso größer ist seine Überraschung, als er tatsächlich eine Antwort erhält. Zwischen den beiden gleichaltrigen Jungen entwickelt sich eine ungewöhnliche Brieffreundschaft, in der sie sich gegenseitig ihre Welten zeigen. Kleine Wege- und Landkarten gehören ebenso zu ihrem Austausch wie persönliche Fragen, darunter auch die nach Flavios Todesursache. Im Laufe ihrer Briefe entstehen jedoch zunehmend Fragen nach Wahrheit und Lüge und führen schließlich zu einem Streit zwischen den beiden Jungen. Die Auflösung ist überraschend, aber zugleich stimmig und gelungen.
„Viele Grüße aus der Hölle" ist als Erstlesebuch konzipiert und eröffnet die neue Reihe „Gefährlich gut lesen" im Ueberreuter Verlag. Aufgrund der Textmenge ist es eher für fortgeschrittene Erstlesende zu empfehlen. Die Schriftart ähnelt der Grundschrift und ist damit gut lesbar, zumal ein deutlich erhöhter Zeilenabstand das Lesen erleichtert.
Der Briefwechsel zwischen einem normalen Jungen und einem aus dem Jenseits ist eine originelle und sehr überzeugende Idee, die viel Potential bietet, auch für den Unterricht. Daher möchte ich mit dieser Rezension besonders Lehrkräfte erreichen, die nach unterhaltsamen Schreibanlässen suchen: Die Lektüre kann an mehreren Stellen sinnvoll unterbrochen werden und bietet Raum für das Thema Briefe und eigene Ideen zum weiteren Verlauf. Auch fächerübergreifende Ansätze mit Wegbeschreibungen und Landkarten sind denkbar.
Im weiteren Verlauf verliert die Geschichte durch ein ideenarmes Ping-Pong an Spannung. Zudem bezeichnet Finn an einer Stelle ein Mädchen abwertend als „fett“. Die Aussage wird zwar später korrigiert, hinterlässt aber einen unangenehmen Beigeschmack. Für den Unterricht bietet sich hier die Chance, mit Kindern über Body-Shaming und respektvollen Umgang zu sprechen.
Das Ende ist wieder gelungen, ebenso wie die zahlreichen Illustrationen, die den Text hervorragend ergänzen und teils weitererzählen. Insgesamt möchte ich „Viele Grüße aus der Hölle" besonders für den Einsatz im Unterricht und als unterhaltsame Lektüre für Kinder ungefähr in Klassenstufe 2 empfehlen.