eine Villa - viel Geschichte

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eight_butterflies Avatar

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Schon nach den ersten Seiten von Villa Rivolta hatte ich dieses typische Gefühl, angekommen zu sein an einem Ort, der mir fremd ist und sich gleichzeitig sofort vertraut anfühlt. Die Villa, die Landschaft, die Hitze, dieses leise Flirren in der Luft. Alles wirkt ruhig, fast träge, und doch spürt man von Anfang an, dass unter der Oberfläche etwas arbeitet. Als würde die Vergangenheit dort nicht schlafen, sondern nur warten.
Was mich besonders angesprochen hat, ist diese Mischung aus mediterraner Leichtigkeit und unterschwelliger Spannung. Nichts wird laut angekündigt, nichts mit dem Holzhammer erklärt und genau das macht es so reizvoll. Man liest und merkt, dass es hier Brüche gibt, alte Wunden, ungelöste Fragen. Und man will wissen, was dahintersteckt.
Der Stil hat mich sofort abgeholt. Bildhaft, aber nicht überladen. Ruhig, aber keineswegs langweilig. Ich konnte mir die Szenen, die Gerüche, das Licht, die Stimmen sehr klar vorstellen, fast wie in einem Film, der langsam seine Bilder entfaltet. Die Figuren wirken auf mich nicht wie Typen, sondern wie Menschen mit Geschichte, mit Unsicherheiten, mit inneren Konflikten.
Auch das Thema Familie und Herkunft hat bei mir direkt etwas angestoßen. Mich reizen Romane besonders, wenn sie zeigen, wie sehr das Vergangene im Heute weiterwirkt. Oft leise, manchmal brutal, manchmal kaum greifbar. „Villa Rivolta“ verspricht genau eine Geschichte über Zugehörigkeit, über Loyalität, über das, was man verdrängt und was trotzdem wieder an die Oberfläche kommt.