Die Kunst, Geschichte lebendig zu erzählen

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Seit Bella Germania bin ich Fan von Daniel Speck und auch sein neuestes Werk hat mich nicht enttäuscht. Wieder erzählt er auf zwei Zeitebenen und verbindet persönliche Schicksale mit italienischer Zeitgeschichte.

Im Mittelpunkt steht Valeria, die Tochter einer Angestellten der Rivoltas – jener Familie, die im 20. Jahrhundert in Italien Sportwagen produziert. Und ich wiederhole mich gern: Wenn mich jemand für Autos begeistern kann, dann Daniel Speck. Mit viel Detailwissen, aber nie überladen, beschreibt er die Entstehung der Maschinen. Von ersten Skizzen über einzelne Bauteile bis hin zu dem besonderen Lebensgefühl hinter dem Steuer.

Doch Villa Rivolta ist weit mehr als eine Hommage an italienische Ingenieurskunst. Im Zentrum steht die soziale Schere zwischen arm und reich. Piero Rivolta, der Sohn der Unternehmerfamilie, begegnet den Menschen offen und herzlich. Er hat Freundschaft mit Valeria geschlossen, sieht die Arbeiter als Teil einer großen Familie und führt mit jedem brüderliche Gespräche. Gleichzeitig bleibt ihm verborgen, welchen täglichen Kampf Menschen wie Valeria führen, die den Klassenunterschied schmerzhaft spüren.

Behutsam steuert der Roman auf die Anfänge gesellschaftlicher Unruhen zu. Speck zeigt eindrucksvoll, wie Unmut im Volk entsteht und wie unterschiedlich Lebensrealitäten sein können. Viele Sätze habe ich markiert: Worte, die aus einem Sprüchebuch stammen könnten, aber so klug eingebettet sind, dass sie nie klischeehaft wirken.

Besonders berührt haben mich die realen Bezüge. Speck führte lange Gespräche mit Piero Rivolta persönlich, reiste selbst an die Schauplätze und verleiht dem Setting dadurch spürbare Authentizität. Auch sprachlich schafft er Atmosphäre, indem er immer wieder italienische Begriffe einwebt. Leicht verständlich und doch voller Flair.

Lediglich das Ende ließ mich etwas unbefriedigt zurück. Alles fügt sich stimmig zusammen, doch ein klarer Höhepunkt fehlt. Vielleicht, weil es weniger um dramatische Wendungen geht als um die Erkenntnisse, die das Leben bereithält und darum, dass es eben nicht immer das erhoffte Happy End schenkt.