Eine Villa als Zufluchtsort

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meisterlampe Avatar

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Inhalt siehe Klappentext.
Sehr auffällig finde ich das Titelbild mit den knallgelben Großbuchstaben für den Titel, die Szene der beiden spielenden Kinder im Garten der Villa ist eher dezent in den Hintergrund gerückt worden. Der Leser begleitet Piero und Valeria seit der frühen Kindheit, ab 1945, über die Jugend und das frühe und spätere Erwachsenenleben, 1979, als ihr Sohn Tonino an der Schule in Schwierigkeiten gerät. Es ist faszinierend zu lesen, wie diese beiden ungleichen Menschen, von unterschiedlicher Herkunft und Stand, Freunde wurden und blieben, die Liebe war einseitig, aber keiner wollte es zugeben. Piero Rivolta, Sohn des Kühlschrank-, Motorroller- und Automobilherstellers, hat alles, was man sich als Kind wünschen kann, an Wohlstand fehlt es ihm nicht; Valeria, Tochter der Hausangestellten Caterina, kennt nur das Gegenteil. Sie machen beide das Beste daraus, sehen sich nicht als Konkurrenz, stehen über all die Jahre und Jahrzehnte in Kontakt, mal mehr, mal weniger. Valeria hat es mit ihrer Mutter nicht leicht, weder als Kind, noch als junge Frau, sie nimmt ihr Leben selbst in die Hand und schaut, ob und wie sie klarkommt. Sei es bei der Arbeit, mit Flavio, mit Tonino, oder eben auch mit Piero und Lele. Valeria nimmt das Leben und das Wenige, das sie hat, ernst. Bei Piero hatte ich manches Mal den Eindruck, er spielt mit dem Leben, will schauen, wie viele er hat - aber Leben kann man nicht mit Geld bezahlen oder gar kaufen. Piero und Valeria haben gemeinsame Geheimnisse, aber auch sonst existieren bei den Familien noch mehr Geheimnisse, über die man nicht reden will und es plötzlich zum großen Knall kommt.
Daniel Speck nimmt den Leser mit nach Italien, lässt ihn mehrere Jahrzehnte durch- und miterleben, man erfährt einiges über die Wirtschaftslage, den Aufbau, die Menschen, die Revolution, aber auch Gegenden, Landschaften, bestimmte Orte, Emotionen, Liebe, Freundschaft, Zusammenhalt - la famiglia. Manche Stellen fand ich persönlich etwas langatmig, wenn sehr detailreich beschrieben wird, dann wieder war es packend und man konnte das 608 Seiten umfassende Buch nicht weglegen. Der Schluss kam mir, obwohl man es an der Seitenzahl erkannte, zu plötzlich , auf einmal war das Buch fertig, das war ein komisches Gefühl. Die meiste Zeit hatte ich gute Unterhaltung, war den italienischen Familien sehr nahe, kam immer wieder gerne mit ihnen zur Villa zurück (ein Zufluchtsort in allen Situationen) und kann guten Gewissens 4 Sterne mit Leseempfehlung geben.