Freunde fürs Leben

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hoelzchen Avatar

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Die Romane von Daniel Speck weiß ich sehr zu schätzten, versprechen sie doch jedes Mal tiefgründige Geschichten über Menschen, meist verknüpft mit historischen Begebenheiten. So wurde auch hier um wahre Figuren eine epische Geschichte gestrickt, die sich so abgespielt haben könnten. Neu ist hier das Buchcover, weicht es doch von der minimalistischen Gestaltung der Vorgängerromane ab. Wiedererkennungswert zum Autor ist nicht sofort gegeben. Ist das ein guter Schachzug? Aber es geht mal wieder nach Italien, dieses Mal spielt der Hauptstrang in den 1960er Jahren, vornehmlich in Mailand. Der Nebenstrang, der dieser Geschichte den Rahmen gibt, spielt 1979. Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges, zieht die kleine Valeria mit ihrer Mutter nach Mailand. Der Vater ist tot und ihre Mutter ist froh, dass sie bei der Unternehmerfamilie Rivolta wohnen dürfen und sie dort eine Stelle als Haushälterin bekommt. Valeria lebt gerne dort, eine innige Freundschaft verbindet sie zu Piero, dem nur wenig älteren Sohn der Familie Rivolta. Diese Freundschaft wird lange halten, daran werden auch die Standesunterschiede nichts ändern können. Mit Anfang 20 lernt Valeria den Studenten Flavio kennen, er kämpft gegen das System und die Beziehung zwischen den beiden ist schwierig, daran kann auch die Geburt ihres Sohnes Tanino nichts ändern. Als Tanino 1979 in Schwierigkeiten gerät, ist der Moment gekommen, das Valeria ihr Schweigen bricht. Soweit zu den zwischenmenschlichen Beziehungen in diesem Roman, die Daniel Speck wieder so wunderbar detailliert zum Leben erweckt. Die Leserschaft lernt so vieles über den Zeitgeist dieser Jahre. Deutlich werden die Vorurteile der Norditaliener gegenüber den Süditalienern. Auch in Italien ist die Jugend in Aufbruchstimmung, all diese Stimmungen werden perfekt abgebildet. Einen nicht unerheblichen Umfang wird der Entwicklung der Autoindustrie gewidmet, was für eine spannende Zeit. An einigen Stellen taten sich für mich Längen auf, aber alles in allem hatte ich eine tolle Lesezeit. Das italienische Lebensgefühl ist auf 600 Romanseiten fühlbar. Sehr gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus.