Wie im Film! Daniel Speck entführt ins Italien der Nachkriegszeit

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Bei Daniel Speck Romanen kann man immer ganz wunderbar eintauchen in Zeitgeschichte, in Lebensrealitäten anderer Länder, ganz tief in den Alltag der porträtierten Figuren. Auch der neueste Roman „Villa Rivolta“ folgt diesem Muster.
Die Ausgangslage liest sich fast ein bisschen klischeehaft: Zwei Kinder aus unterschiedlichen Welten begegnen sich im Garten einer Mailänder Villa. Piero ist der Sohn des renommierten Industriellen Renzo Rivolta, Valeria die Tochter einer Hausangestellten. Verlieben sie sich? Oder entwickeln sie etwas, das noch fast bedeutsamer scheint – eine Freundschaft über Klassengrenzen hinweg, die sie ein Leben lang begleiten wird? Speck manövriert Valeria und Piero durch das Italien der Nachkriegszeit, durch politische Spannungen, ein Aufbruchsgefühl in der Gesellschaft, die Arbeiterbewegung und das ein oder andere Familiengeheimnis.
Besonders mochte ich, wie real sich alles anfühlt. Vielleicht, weil vieles eben nicht komplett erfunden ist. Piero Rivolta gibt es wirklich (ich glaube, er lebt noch?) und soll Speck nach dem Erfolg von „Bella Germania“ selbst gebeten haben, seine Geschichte aufzuschreiben. Das verleiht dem Ganzen und vor allem den Figuren eine besondere Authentizität. Die Szenen sind unglaublich dicht, fast filmisch beschrieben: schnelle Autos, Mailänder Villen, sizilianische Hitze, Fabrikhallen, politische Unruhen. Vieles davon konnte ich mir so klar vorstellen, dass ich mich mehr als einmal gefragt habe, ob das nicht wieder nach einer Verfilmung schreit, wie schon bei „Bella Germania“, dessen Protagonistin Giulietta in „Villa Rivolta“ eine Nebenrolle einnimmt (und für „Bella Germania“ habe ich eh einen Soft Spot, weil ich damals mehrfach als Komparsin gebucht war).
Ja, Villa Rivolta ist ein ziemlicher Wälzer, aber man fliegt wirklich durch die Seiten (Phrasenschwein, ich weiß, aber es passt halt). Nur gelegentlich waren mir die Sprünge zwischen Figuren und Zeiten etwas zu abrupt.
Am Ende blieb vor allem ein leicht wehmütiges Gefühl: eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Herkunft, über Privilegien und Aufbruch und persönliche Schicksale, perfekt eingebettet in Zeitgeschichte. Freue mich schon auf die Fortsetzung, die der Autor in einem Interview bereits angekündigt hat.