Allein zu Zweit

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robertp Avatar

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In einem Lokal in Triest erfährt die Protagonistin Erika vom Seitensprung ihres Mannes. Seit Jahren fühlt sie die Trennung, konnte aber keinen Grund für ein Vergehen ihres Mannes ausmachen. Im Gegenteil, sie schiebt diese Entfremdung auf ihren – vor Jahrzehnten gebeichteten – eigenen Seitensprung. Erika (65 Jahre) versuchte mit dem Ausflug nach Italien ihre Liebe wieder zu erwecken, zu entflammen, zumindest wieder anzufachen.
In einer Reflexion erfahren wir LeserInnen von den Geschehnissen, die zum Geständnis im Restaurant führen. Die Betrogenen, sie und er, sitzen sich nun gegenüber, im Lokal in Triest und später beim Therapeuten. In beiden Lokationen kommt es zu keiner Aussprache.
Erika erkennt, dass sich ihr Mann Jan schon lange geistig von ihr getrennt hat. Hat sie in einer Scheinwelt gelebt, die Sitzungen mit ihrem Mann lassen sie das glauben. Was hat sie falsch gemacht? Sie hat nur ihn geliebt und möchte ihn weiterlieben.
Die Geschichte der Autorin Wencke Mühleisen ist selbst einen Roman wert. Sie hat in ihrer Jugend im Friedrichshof-Kollektiv von Otto Muehl (österreichischer Aktionskünstler) gelebt und war als Performancekünstlerin tätig. Ich würde sie als Feministin bezeichnen. Ihre Aktionen haben immer den Zweck die Stellung der Frau in der Gesellschaft sichtbar zu machen, diese aufzuwerten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Roman auch autobiografische Inhalte verarbeitet.
Für alle die es wagen die Geschichte einer gescheiterten Ehe zu lesen, die sich über die Jahre zu einer Beziehung ausweitet, die auf zwei verschiedenen Ebenen stattfindet. Keiner der beiden Partner ist in der Lage seine Gefühle zu äußern und die Situation zu klären. Wie so oft im Leben ist kein happy end in Sicht.