Der Roman Was ist in meinen Alter sonst noch üblich von Wencke Mühleisen erzählt eindrucksvoll von einem Neuanfang, der aus tiefstem Schmerz entsteht. Nach dem Betrug ihres Mannes durchlebt Erika alle Phasen zwischen Schock, Trauer, Wut und vorsichtiger Neugier auf ein anderes Leben. Gerade diese emotionale und schonungslose Ehrlichkeit macht das Buch so berührend. Man kann sich sehr gut in die Hauptfigur einfühlen sowie mitfühlen, weil ihre Fragen nach Nähe, Begehren und Selbstwert zeitlos und zutiefst menschlich sind. Wencke Mühleisen schreibt klar, schnörkellos und mit großer Empathie, ohne zu beschönigen oder zu urteilen. Warmherzig, klug und stellenweise humorvoll zeigt der Roman, dass Liebe und Selbstentdeckung kein Verfallsdatum haben. Ein lebensnahes, stärkendes Buch, an das ich mich lange erinnern werde.