Ehe am Abgrund

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fredhel Avatar

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Erika hatte in jungen Jahren eine außereheliche Affäre, die ihr Mann Jan entdeckte. Damals schon stand die Ehe auf der Kippe, aber wie sehr dieser Fehltritt ihre Beziehung zerstört hat, wird erst offensichtlich, als Jan selbst ein sexuelles Verhältnis zu einer jüngeren Frau eingesteht. Jan und Erika sind über sechzig. Ihre Ehe ist seit Jahrzehnten ohne Sex, weil Jan jegliches Interesse daran verloren hatte, im Gegensatz zu Erika, die nicht weiß, wohin mit ihrem Begehren.
Nach Jans Geständnis rastet Erika völlig aus, wird zur gehässigen Furie und nicht nur Jan fürchtet um ihre geistige Gesundheit. Sie ergeht sich in Hasstiraden und Rachefantasien, steigert sich in frei erfundene Situationen hinein, so weit, dass Jan nur noch bei ihr bleibt, weil er ihren Selbstmord befürchten muss.
Erika ist eine Person, die mir Angst macht und deren ausufernde Emotionalität für mich unvorstellbar ist.
Die Autorin spricht Klartext. Sie scheut nicht vor drastischen Ausdrücken und Beschreibungen zurück.
Wenn man den saloppen Titel betrachtet, dazu dieses fröhlich bunte Cover, dann hat man eine ganz andere Erwartungshaltung an den Inhalt. Ich hätte dieses Buch wahrscheinlich nicht gelesen, wenn mir klar gewesen wäre, dass sich alles nur um die einzige Tatsache von Jans Seitensprung geht und es kein Fortkommen aus Erikas Gedankenspirale gibt. Es ist eine beklemmende Situation, die einen auch als Leser mit sich in die Tiefe reißt.