Salz in die Wunde

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katelbach Avatar

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Ein Italienurlaub soll helfen, die über Jahre gewachsene Entfremdung zwischen Erika und Jan, einem norwegischen Paar Mitte 60 zu überwinden. Am letzten Abend aber eröffnet Jan seiner Frau, dass er seit eineinhalb Jahren mit der 15 Jahre jüngeren Marie zusammen ist. Diese Nachricht zieht Erika den Boden unter den Füßen weg. Sie kann an nichts anderes mehr denken als an Jans Verrat, obwohl sie selbst zwanzig Jahre davor ihren Mann mit einem Jugendfreund betrogen hatte. Schmerzhafter noch als Jans Affäre ist für Erika, dass er sich nicht mehr zu ihr hingezogen fühlt, während sie während der ganzen Ehe Lust auf ihn hatte. Obsessiv gibt sie sich Phantasien hin, wie Jan und Marie es in ihrem Ehebett miteinander treiben, suhlt sich geradezu in ihrer Gekränktheit. Auch in der Paartherapie verhält sie sich nicht "vernünftig" (wie Jan sie gerne hätte), sondern lässt ihren Gefühlen freien Lauf. Ob trotz oder wegen dieser Strategie, am Ende erreicht Erika wieder eine gewisse Handlungsfähigkeit und kann sich eine lebenswerte Zukunft vorstellen, mit oder ohne Jan.
Die Sprache des Romans passt zur Handlung und zur Ich-Erzählerin, Körperteile und Aktionen werden ohne Prüderie beim Namen genannt. Leider wirken neben Erika alle anderen Personen blass, selbst Jan. So fand ich keine Identifikationsfigur und folglich die Lektüre ziemlich mühsam.