Sehr schonungslos

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griseldis2000 Avatar

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Was tut eine fünfundsechzigjährige Frau, deren Mann ihr nach einem gemeinsamen Urlaub gesteht, dass er seit mehr als einem Jahr eine sexuelle Beziehung zu einer jüngeren Frau hat und die gerne fortsetzen würde?
Wencke Mühleisens Protagonistin nimmt das nicht mit Humor und wer sollte es ihr verdenken?
Sie hadert, sie hasst, sie kämpft. Ist verzweifelt, boshaft, nachdenklich und sehr sehr traurig. Es ist nicht schön, zu lesen wie sie mit sich und ihm ins Gericht geht. Aber ehrlich. Loslassen kann sie ihn noch nicht und er ist sogar bereit zur Paartherapie. So versuchen die beiden, die über die Jahre verlorengegangene Liebe zu suchen. Ob es gelingt?
Der Roman ist nur 189 Seiten lang, aber sehr dicht. Ist er feministisch? Ich glaube schon. Es geht um die Rolle der Frau in Beziehung und Gesellschaft, um Körperbilder, Erwartungen, Verpflichtungen. Bestrafung weiblicher Dominanz und versagender Vernunfttherapie. Lohnt zu lesen, ist aber nicht angenehm.