Verlorene Jahre

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peedee Avatar

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Erika und Jan, beide Mitte sechzig, sind im Italienurlaub. Im Restaurant spricht Erika ihn darauf an, weshalb er ihr seit Jahren Intimität verweigert. Gefährliche Frage. Die Antwort bringt sie zu Fall: Er hat seit anderthalb Jahren ein Verhältnis mit einer anderen Frau! Was soll nun aus ihrer Ehe werden? Erika liebt Jan immer noch. Ist es zu spät, ihre Ehe zu retten?

Erster Eindruck: Ein cooles Cover, das ein bisschen Retro-Feeling und ganz viel Optimismus versprüht – gefällt mir sehr gut.

Oha, der Urlaub nimmt ein bitteres Ende, als Jan verkündet, dass er mit einer anderen Frau zusammen ist. Erika hat damit zu kämpfen, dass die andere Frau, Marie, die sie auch kennt, fünfzehn Jahre jünger und dicker als sie ist. Wie kann Jan Marie bevorzugen? Als sie dann erfährt, dass Marie und er auch in ihrer gemeinsamen Wohnung zusammen waren, ist das Gefühlschaos komplett. Wie konnte er nur? Wie konnte Marie nur? Nach viel Geschrei von Erikas Seite geht’s ab in die Paartherapie. Aber wollen wirklich beide die Beziehung retten?

Leider hat mir diese Geschichte nicht wirklich gefallen. Aufgrund der Inhaltsbeschreibung habe ich gedacht, dass es – auch aufgrund des fröhlichen Covers – optimistisch und fröhlich zugeht. Aber nein. Das Buch hat mich deprimiert. Warum das? Für mich blieb Erika farblos – ihr Mann war eh nur eine Nebenfigur – und ich konnte nicht nachvollziehen, wie sie an einer Beziehung festhalten wollen, die ganz offensichtlich schon seit Jahren nicht mehr die Qualität einer liebevollen Paarbeziehung hat. Sie hat ihn vor zwanzig Jahren betrogen – er hat es ihr nun gleichgetan. Wie heisst es so schön? Auge um Auge, Zahn um Zahn?
Für mich war es das erste Buch der Autorin, insofern habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Es hatte immer wieder sehr lange Sätze, wie z.B. „Das ist die Hölle der retrospektiven Erkenntnis und der fatalen Neukalibrierung der eigenen Erfahrung, es ist, als würde man von einer fremden Macht überfallen, die eine andere Erzählung über die eigene unmittelbare Vergangenheit spinnt – schrecklich, aber wahrer als die, in der man gelebt hat.“ Am Ende des Satzes habe ich vergessen, wie er begonnen hat. Zudem ging sehr viel um Erikas Sexgedanken (und die dabei verwendete derbe Wortwahl entspricht gar nicht meinem Geschmack).
Menschen sind sehr interessant. Und sehr kompliziert. Wenn dann noch eine Beziehung dazukommt, wird es ultrakomplex. Eine Beziehung unbedingt aufrechterhalten zu wollen, nur um nicht alleine zu sein? Dies scheinen mir verlorene Jahre. Von mir gibt es leider nur 2 Sterne, schade.