Wenn Vertrautes zerbricht

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danshi Avatar

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Schon beim ersten Blick fällt das Cover ins Auge, das eine gewisse Wärme und Leichtigkeit ausstrahlt und damit Erwartungen an eine hoffnungsvollere Geschichte weckt. Der Roman selbst schlägt jedoch eine deutlich ernstere, teilweise auch bedrückende Richtung ein. Im Mittelpunkt steht eine langjährige Beziehung, die durch ein Geständnis ins Wanken gerät und eine innere Krise auslöst. Statt einer dynamischen Handlung begleitet die Geschichte vor allem die gedankliche Auseinandersetzung der Protagonistin mit Verlust, Selbstwert und dem Wunsch nach Nähe.
Dabei kreisen ihre Gedanken immer wieder um dieselben Fragen, was ihre Verunsicherung zwar greifbar macht, auf Dauer jedoch auch etwas ermüdend wirkt. Die Figuren bleiben insgesamt eher auf Distanz, insbesondere die Beziehung zwischen den beiden wirkt schwer greifbar und emotional nicht immer zugänglich. Gerade hier hätte etwas mehr Entwicklung oder neue Impulse der Geschichte gutgetan.
Der Schreibstil ist klar und direkt, stellenweise sehr offen und schonungslos. Diese Ehrlichkeit passt zum Thema, wirkt aber in einigen Momenten auch recht nüchtern oder wiederholend. Die ruhige, fast kreisende Erzählweise unterstreicht die innere Zerrissenheit, nimmt der Geschichte jedoch auch Tempo und Spannung. Kleine feine Beobachtungen blitzen immer wieder auf, gehen jedoch im Gesamtbild etwas unter.
Ich habe das Buch als nachdenklich und thematisch interessant empfunden, gleichzeitig aber auch als etwas zäh in der Umsetzung. Es regt zum Reflektieren an, konnte mich emotional jedoch nicht vollständig erreichen. Insgesamt bleibt eine solide, aber nicht ganz überzeugende Lektüre.