Zermürbt mich ebenso wie die Protagonistin

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leseclau Avatar

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Was für ein tolles Cover – frühlingshaft, farbenfroh, inspirierend. Die Frau auf dem Cover scheint ein bisschen in ihrer Umwelt zu verschwinden. Das weckt meine Erwartungen an das Buch. Ich vermute, es geht um Suche nach Identität – wie gelingt es mir, wieder ich selbst zu sein? Es geht vielleicht auch um Zukunftsgestaltung, um Pläne, um Klarheit.

Die Erwartungen werden erfüllt- einerseits. Doch andererseits erreicht mich das Buch leider überhaupt nicht. Liegt es an der Protagonistin, die mir fernbleibt? Liegt es an der Sprache, die gleichzeitig verschachtelt, grob und klar ist? Zu vieles ist mir Rückbetrachtung, zu wenig gelingt der Blick nach vorn, den ich mir anhand des Titels gewünscht hätte.

Erika, Mitte 60, wird von ihrem Mann betrogen. Seit 1½ Jahren schon. Sie ist schockiert, blockiert und verzweifelt. Wollte sie doch mit ihrem Mann alt werden, auch wenn die Ehe schon immer mit Problemen behaftet war. Vielleicht weil sie selbst ihren Mann in jungen Jahren betrogen hat und das ein Ungleichgewicht in ihrer Ehe erzeugt hat.

Erikas Gedanken springen hin und her. Die aktuellen Therapiesitzungen geben Anlass, in der Vergangenheit zu wühlen. Und dann wieder in die Verzweiflung der Gegenwart zu springen. Und sich Gedanken zu machen, wie der Mann wohl mit seiner neuen Freundin agiert (lange, oft, wiederholend). Dieses ewige Kreisen um die immer wieder selben Gedanken zermürben mich als Leserin ebenso wie sie Erika zermürben.

Im zweiten Drittel des Buches – es sind nur knapp 190 Seiten in einem ungewöhnlichen kleinen Format- kommt Erika zu der Erkenntnis, dass ihre Ehe die Basis verloren hat „Nicht, weil meine Gefühle nicht aufrichtig gewesen wären, denn ich wusste ja, dass sie es waren, sondern weil Jan nicht an sie geglaubt hatte und immer noch nicht an sie glaubte.“ Für diesen Satz, der so viel Erkenntnis über Beziehungen bringt, hat sich das Buch gelohnt.

Allerdings empfand ich das Lesen als mühsam und teilweise langatmig. Zu eng war mir die Geschichte angelegt. Die wunderschönen Coverfarben sind für mich nicht auf die Story übergesprungen.