Ein frühes Werk

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merkurina Avatar

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Nachdem bereits zwei Romane von Alba de Céspedes auf deutsch erschienen sind, wurde nun auch ihre erste umfangreicher Prosa erneut übersetzt und publiziert.

Beim Lesen muss man sich immer wieder klar machen, dass die Lebensgeschichten, -entwürfe und -gefühle der jungen Frauen in diesem Buch als anstößig genug galten, das Buch zu zensieren. Dabei sind die acht Protagonistinnen sehr unterschiedlich und haben in je eigener Weise ihre Schwierigkeiten als Frauen, die keinen klassischen Weg im Dienste eines Ehemannes einschlagen. Es sind keine seltbewussten Emanzen, sondern es zeigt sich, dass das eigenständige Leben mühselig erkämpft werden muss, auch gegen die eigenen Zweifel.

Das Buch ist ein spannendes Zeugnis einer mutigen Autorin. Allerdings hat es auch bei aller Ausformung der Figuren noch etwas Unreifes. Das betrifft die Form. Erzählt wird in schönen Details und interessanten Dialogen, aber die acht jungen (oder auch gar nicht mehr so jungen) Frauen erscheinen dabei, als sei ein großer Scheinwerfer auf das Gesamtgeschehen gehalten. Es ist schwer, sie und ihre Erfahrungen, voneinander zu unterscheiden, die Erzählstränge sind verschmolzen.

Das ständige Ineinandergreifen der personalen Stränge hat bei mir dafür gesorgt, dass mich das Buch nicht wirklich fesseln konnte. Ich habe es regelrecht bedauert, da der Autorin meine große Sympathie gilt, aber ich fand es - trotz der interessanten Einzelcharaktere - teilweise regelrecht langweilig zu lesen.

Ich kann mir vorstellen, dass "Aus ihrer Sicht" von der gleichen Autorin, 11 Jahre später zum ersten Mal publiziert (nämlich nach dem Krieg), ein reiferes Werk ist mit einer fokussierteren Perspektive. Leider wurde es mit nicht zugelost, als es bei vorablesen annonciert wurde.