Starke Geschichte über und für starke Frauen

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Rezension zu "Was vor und liegt" von Alba de Céspedes

Acht junge Frauen träumen von Selbstbestimmung und Freiheit. So normal, ja fast schon platt, das heutzutage klingt, so aufregerisch und mutig war die Erscheinung der Originalausgabe dieses Romans im Jahr 1938 (damals unter dem Titel "Nessuno torna indietro").
Die Autorin Alba de Céspedes war eine kubanisch-italienische Schriftstellerin, Journalistin und Widerstandskämpferin, die sich mit ihren literarischen Werken gegen das faschistische Regime auflehnte. Ihre Werke waren umstritten, für damalige Zeiten extrem provokant und wurden immer wieder mit Verboten belegt. Wo das nicht gelang, wurden ihre Bücher weltweit zu Bestsellern.
Auch der hier vorliegende Roman wurde damals verboten und wurde nun in Übersetzung von Esther Hansen neu aufgelegt.
Wer diesen Roman liest, taucht also in die Gedankenwelt einer feministischen Ikone ein, die in einer männerdominierten, von Gewalt und Macht beherrschten Kriegs-Gesellschaft für die Freiheit und die Sehnsüchte junger Frauen einstand.

Allein schon wegen der historischen Hintergründe und damit der Bedeutung dieses Romans für die Frauenbewegung weltweit, sollte man diesem Buch den literarischen roten Teppich ausrollen.
Doch beim Lesen wird ab dem ersten Satz klar, dass man sich keineswegs aus Ehrfurcht durchquälen muss (wie es mir bei vielen Büchern aus dieser Zeit leider schon erging), sondern dass es großen Spaß macht den Roman zu lesen.
Alba de Céspedes legt einen unglaublich modernen Schreibstil an den Tag. Wie ein Brief einer guten Freundin, die das Leben ihrer Clique am römischen Grimaldi-Konvikt beschreibt, vergeht Seite um Seite wie im Flug und man kommt den Protagonistinnen Schritt für Schritt näher / lernt sie besser kennen.
Jede der acht vorkommenden jungen Frauen hat eine andere Herkunft und unterschiedliche Hintergrundstories, die sie mit ihren Freundinnen teilen oder auch nicht. Wir als Leser:innen können uns dabei fast schon wie Voyeure fühlen, denn in manchen Situationen hatte ich das Gefühl, dass ich intime Momente der Mädchen störe. Gleichzeitig fühlte ich mich immer dazu eingeladen, ja fast schon wie aufgenommen in einen geheimen Club.

Ein überraschend modernes, geschichtsträchtiges und in jeder Hinsicht wichtiges Buch!