Vom Suchen und Verschwinden

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noiram Avatar

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Diese Leseprobe hat mich auf eine sehr melancholische, aber fesselnde Art berührt. Die Geschichte beginnt mit einem Abschied und dem Gefühl von Aufbruch, als der Protagonist seinen Bruder Kurt in einer Klinik besucht, bevor er nach Barcelona flieht. Die Beziehung zwischen den beiden wird mit wenigen Worten, aber sehr eindringlich beschrieben – man spürt die Last der Dinge, für die es „vielleicht gar keine Worte gibt“.
​Der Schreibstil von Lukas Hoffmann ist sehr modern und direkt. Er verzichtet auf unnötige Ausschmückungen, was die emotionale Schwere der Situation fast noch verstärkt. Besonders gut hat mir die Beschreibung der Atmosphäre in Barcelona gefallen. Man riecht förmlich den Regen auf dem warmen Asphalt und spürt diese seltsame Mischung aus Freiheit und Einsamkeit, die einen in einer fremden Stadt überkommen kann. Die Begegnung mit Olive und das spätere Zusammenleben wirken fast wie ein Traum, in dem man sich treiben lässt, ohne genau zu wissen, wohin die Reise führt.
​Ein zentrales Thema scheint die Suche nach der eigenen Identität und der Sinn des Lebens zu sein, verpackt in Alltagsbeobachtungen und philosophische Fetzen wie den Satz: „Ich bereue die Furcht zu springen, weil man am Ende trotzdem fällt.“ Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Es ist ein Buch für Momente, in denen man sich selbst ein bisschen verloren fühlt und Trost darin findet, dass es anderen genauso geht. Ich bin gespannt, ob der „Wassermann“ im Laufe der Geschichte noch zu sich selbst findet oder ob er weiter auf der Flucht vor seiner eigenen Vergangenheit bleibt.