Atmosphärisch, aber distanziert

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
noiram Avatar

Von

Ich hatte mich auf eine packende Mischung aus persönlicher Entwicklung und politischem Zündstoff gefreut, wurde aber mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Lukas Hoffmann versteht es ohne Zweifel, Schauplätze lebendig zu machen; man fühlt sich direkt in die aufgeheizte Stimmung Barcelonas versetzt und bekommt ein gutes Gespür für den Kontrast zwischen dem inneren Gefühlschaos der Hauptfigur und den Unruhen auf der Straße. Dass die Story trotz der schweren Themen wie Verlust und Einsamkeit nie langatmig wird, ist ein klarer Pluspunkt. Mein Hauptproblem war jedoch der emotionale Zugang. Die Handlung ist sehr sprunghaft erzählt, was dazu führt, dass ich zu den Charakteren kaum eine echte Bindung aufbauen konnte – sie blieben für mich leider etwas blass und eindimensional. Sprachlich hat mich der Roman angesprochen, der letzte Schliff und die Tiefe fehlten mir ein wenig. Es ist ein interessantes Erstlingswerk mit viel Potenzial und einer starken Kulisse, das mich am Ende aber nicht ganz abholen konnte.