Eindringliches Debüt mit erzählerischen Schwächen

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Lukas Hoffmanns Debütroman Wassermann erzählt die Geschichte von Luk, der vor sich selbst und seinem Leben in Deutschland nach Barcelona flieht, um dort ein Auslandssemester zu verbringen. Doch statt innerer Ruhe findet er sich mitten im katalanischen Unabhängigkeitskonflikt wieder, während ihn zugleich die Nachricht von der schwerkranken Mutter und einem psychisch erkrankten Freund aus der Ferne einholen. Zwischen Trauer, Schuld, Zweifel und der Suche nach Unabhängigkeit verknüpft Hoffmann große Themen mit individuellen Schicksalen.

Trotz dieses starken Ausgangspunkts kann der Roman seine inhaltlichen Versprechen nicht vollständig einlösen. Die Vielzahl an Themen – von persönlicher Krise über familiäre Bindungen bis hin zu politischem Engagement – wird nur oberflächlich angerissen, sodass keiner der erzählerischen Fäden die nötige Tiefe entfaltet. Auch der Erzählfluss leidet unter den zahlreichen Sprüngen zwischen Zeiten und Schauplätzen; so entsteht ein eher unruhiges, bisweilen unfokussiertes Gesamtbild. Da Hoffmann zudem auf relativ engem Raum viele Konflikte verarbeitet, bleibt Luk als Figur emotional schwer greifbar. Vor allem seine Vergangenheit, die sein Handeln erklären könnte, bleibt im Unklaren – und damit auch die emotionale Wucht, die der Roman eigentlich anstrebt.

Was jedoch überzeugt, ist Hoffmanns Stil. Seine Sprache ist ruhig, präzise und atmosphärisch dicht. Mit wenigen, sorgfältig gewählten Worten gelingt es ihm, Landschaften und innere Stimmungen eindrucksvoll einzufangen. Gerade in diesen Momenten zeigt sich das Gespür des Autors für Zwischentöne.

"Wassermann" ist ein Roman, der viel zu sagen hat, an seinen eigenen Ambitionen aber teilweise scheitert. Dennoch bleibt Hoffmanns Stimme vielversprechend und lässt auf kommende Werke hoffen.