Erfrischende Abwechslung

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mariuszjn Avatar

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Lukas Hoffmann legt mit seinem ersten Roman ein beeindruckendes Debüt in der Welt der Romane hin. "Wassermann" ist das, was "22 Bahnen" gerne sein möchte. Ein gesellschafts-kritischer Coming-of-Age Roman. Wo Caroline Wahls Werk zu sehr individualisiert und die systemische Frage verweigert, traut sich "Wassermann" schon eher, ebendiese entscheidenden Fragen zu stellen. Darüber hinaus fängt der Text sehr anschaulich Stimmungen, Landschaften und Atmosphären ein. Sex, adoleszente Auseinandersetzungen mit dem Umfeld des Protagonisten und die Beziehung zur eigenen Kernfamilie - all das treffend zu beschreiben, gelingt Hoffmann auserordentlich gut, und ohne, dass es peinlich wird.
Das Öknomische wird auf Gespräche zwischen den Figuren verlagert, was sehr schade ist. Der Text hätte viel größere Chancen gehabt, noch mehr das System zu kritisieren. Stattdessen ist der Protagonist - trotz seiner misslichen Lage - extrem priviligiert, hier verschenkt der Roman eine große Chance. Die vielen Andeutungen reichen für mich nicht aus, hier hätte der Text konkreter werden müssen.