Etwas langatmig, aber durchaus unterhaltsam

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»Liebe besteht zu gleichen Teilen aus Angst und Vertrauen. Ein Leben ist immer auch ein anderes Leben, unzählige andere Leben. Wir sind Feuer und Öl zugleich, Rauch und Asche und der Wirbelwind, der alles in die Nacht hinausträgt. Und wir sind auch die Nacht.« (Seite 484)

Jaye macht sich zusammen mit ihrer Mutter auf den Weg nach Waco in Texas, um sich der Glaubensgemeinschaft von Perry Lamb anzuschließen. Dort lernt sie Roy kennen, den Sohn des Sheriffs, der genauso einsam ist wie sie. Die Jugendlichen fühlen vom ersten Moment an eine Verbindung zueinander. Roy weiß nicht, dass Jaye auf der Ranch eines fanatischen Predigers lebt, bekommt aber durch seinen Vater mit, dass etwas in der Luft liegt. Als ihm klar wird, wo Jaye ist, kommen kurz danach Dinge ins Rollen, die nicht mehr aufzuhalten sind.

»Ich drückte ihre Finger fester, und sie tat es mir gleich, und bald verwandelte sich das in ein Spiel ohne Punkte und Regeln. Wir waren noch Kinder. Bedenken Sie das, bevor Sie sich ein Urteil über uns bilden.« (Seite 81)

Rund um das schreckliche Ereignis in Waco, Texas, im Jahre 1993 hat Bret Anthony Johnston eine Liebesgeschichte ersponnen, im Mittelpunkt zwei Vierzehnjährige aus unterschiedlichen Familien. Auf der einen Seite Jaye, die zu klug ist, um auf den charismatischen Sektenführer reinzufallen, die dennoch ihre Mutter begleitet, aus Liebe und weil sie diese nicht alleine lassen will. Auf der anderen Seite Roy, einer langen Reihe von Männern entstammend, die Sheriff gewesen beziehungsweise es gerade sind. Beide schildern ihre Sicht der Dinge, unterbrochen von einem Podcast dreißig Jahre später mit Interviews verschiedener Personen, die damals dabei waren.

Der Schreibstil machte es mir einfach, ins Buch einzutauchen, allerdings hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass der Autor unschlüssig war, welchen Strang er vorrangig verfolgen will. Einerseits war die Geschichte rund um die Sekte wichtig, andererseits wollte er den Jugendlichen Raum geben, dies führte dazu, dass ich anfangs nur langsam vorangekommen bin. Die erste Hälfte empfand ich als zäh, unwichtige Situationen nahmen viel Raum ein und so plätscherte die Story ein wenig vor sich hin. Erst als die Belagerung begann, kam Spannung rein, Dinge kamen ins Rollen, Action kam ins Spiel. Mir gefiel das letzte Drittel am besten und die Auflösung war genial gewählt. Ich glaube, hundert Seiten weniger hätten dem Gesamteindruck gutgetan, so zumindest mein persönliches Gefühl. Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, den ich gerne gelesen habe.