Die Entscheidung der Todgeweihten

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Inhalt
Arvelle sorgt im Armenviertel für ihre beiden jüngeren Brüder, von denen einer schwerkrank ist. Als ein fremder Vampir ihr die Heilung ihres Bruders anbietet, ist Arvelle gezwungen, zuzugreifen. Doch dafür muss sie nicht nur zurück in die Arena, sondern auch niemand Geringeren als den Imperator töten. Als goldene Sigillengezeichnete hat sie eine Chance, doch die Arena hat ihr Bein verkrüppelt und ihr die beste Freundin genommen. Am gleichen Tag verschwand auch ihre Jugendliebe Tiernon, so dass die junge Frau erst das Leben wieder lernen muss. Und dann trifft sie nicht nur auf harte Gegner – jene, die einst ihre Freundin ermordeten –, sondern auf Tiernon. Doch er ist nicht mehr der, wer sie glaubte, dass er sei. Auch sein älterer, bedrohlicher Bruder Rorrick bekundet sein Interesse an ihr.


Meinung
Es handelt sich trotz mehr als sechshundert Seiten um den ersten von mehreren Bänden. Die Fortsetzung wird im Original leider erst im Januar 2027 erscheinen und ehe diese übersetzt ist, kann es also bis zu einem Jahr dauern, ehe weitergelesen werden kann. Ein wenig zu verschmerzen ist es, da die Handlung vorerst als großflächig abgeschlossen betrachtet werden kann, auch wenn am Ende einige Andeutungen und Vorkommnisse geschehen, die den geneigten Leser zum Folgeband locken sollen.
Die Handlung ist in einer Fantasywelt angelegt, die an das Alte Rom erinnert. Obwohl nicht viel von der Stadt zu sehen ist, kann ihr Aufbau als ähnlich dem Roms beschrieben werden. Den Hauptteil des Geschehens verbringen wir jedoch im Kolosseum und natürlich der Arena. Der Beginn gestaltet sich noch recht typisch; Arvelle wird in ihrem gewohnten Umfeld gezeigt und durch die sie umgebenden Figuren im Istzustand charakterisiert. Vielleicht war alles ein bisschen viel, das auf sie eingeprasselt ist, aber sie stellt sich allem. Einmal kann sie Bran, dem fremden Vampir, entgehen, aber der weiß, auf wen er es abgesehen hat – und so muss sie zustimmen, um ihren Bruder zu retten.
In dieser Gesellschaft gibt es die Mundies, die normalen Leute, die Sigillengezeichneten und die Vampire. Sigillen gibt es in Bronze, Silber und Gold. Jede höher gestellte Familie hofft auf Goldgezeichnete, weil diese über mehr und stärkere Magie verfügen. Vampire herrschen über die Stadt und das Land. Sie werden zunächst nur sehr zögerlich gezeigt und spielen kaum eine Rolle, bis auf die Tatsache, dass einige wichtige Figuren eben Vampire sind. Bis zum letzten Drittel scheint „Vampir“ beinahe nur ein leeres Wort zu sein. Sie können stärker kämpfen, haben bessere Sinne: das war es fast. Aber dann wird deutlich, dass es Mundies und Sigillengezeichnete gibt, die sich freiwillig aussaugen lassen – das wird als eine Art Abhängigkeit beschrieben. Es gibt geborene Vampire, zu denen natürlich auch die Familie des Imperators gehört, und zu Vampiren gemachte.
Arvelle ist eine sehr symphytische Figur, die nicht alles richtig macht, aber sich gekonnt durchbeißt. Natürlich hat sie zudem viel Glück. Obwohl sie in der Arena auch töten muss, ist sie keine gewalttätige Person, zusätzlich rettet sie einige Leben. Die Kämpfe werden genau und sehr anschaulich, aber nie übertrieben blutig geschildert. Längen habe ich im gesamten Buch keine empfunden. Im Gegenteil, die Geschichte liest sich flott weg und kann zeitweise kaum aus der Hand gelegt werden. Es entwickelt sich alles recht langsam, der Alltag Arvelles in der Arena steht im Vordergrund. Sie muss trainiert werden, mit den anderen Auserwählten klarkommen, will in die Elitetruppe rund um den Primus aufsteigen, damit sie dem Imperator nahekommt.
Und es gibt natürlich zwei junge Männer, die, jeder auf seine eigene Art, ein Auge auf sie geworfen haben. Einer ist ihre große Jugendliebe. Die Beziehung zu ihm begann in der gemeinsamen Kindheit, die immer mal wieder in kurzen Rückblicken erzählt wird. Die Beziehung wird äußerst romantisch (mit Herzschmerz) beschrieben und ist anregend zu lesen. Und dann ist da noch sein älterer Bruder, der sehr düster daherkommt und seine eigenen Geheimnisse hütet. Hier in Band 1 ist es der Jüngere, für den Arvelles Herz schlägt, aber der Ältere weckt definitiv ihr Interesse und es darf angenommen werden, dass in der Fortsetzung noch mehr geht.
Die Geschichte birgt eine Menge Höhen und Tiefen, liest sich flockig leicht und in einem Rutsch. Die Charaktere wirken glaubhaft und das ganze Drumherum so interessant, dass man gern mehr erfahren möchte. Zusätzlich ist da die sehenswerte Aufmachung des Buches, das mit farbigem Schnitt als Hardcover daherkommt. Leider ist es deswegen auch nicht sehr preiswert.
„We who will die“ ist ein gelungener Reihenstart, der gern weiterempfohlen wird.