Intrigen, Vampire – das Buch hat einfach alles!

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throughsioux Avatar

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Schreibstil:

Den Schreibstil fand ich sehr angenehm und passend für die Geschichte. Einerseits ist er etwas rau, vielleicht sogar oberflächlich, dann, wenn es sinnvoll ist (und es nicht gerade um eine blutige Schlacht geht), wird er aber auch emotionaler und findet die emotionalen Tiefen. So hat der Schreibstil perfekt den Zwiespalt zwischen dem brutalen Setting und den vielen Schicksalen der Figuren widergespiegelt. Der raue Unterton hat sehr gut dabei geholfen, auch die blutigsten Szenen zu überstehen.

Die Geschichte – Ehemalige Championesse wird gezwungen für ihre Brüder in der Arena zu kämpfen

Ganz ehrlich: ich war von der ersten Seite an von diesem Buch gefesselt und habe dann auch immer ganz easy 100 Seiten oder mehr am Stück gelesen (vlt. hätte ich es in einem durchgelesen, hätte ich die Zeit dazu gehabt).

Erzählt wird aus der Perspektive der Hauptfigur Arvelle. Das Spannende ist aber, dass es sich dennoch anfühlt als würde man aus mehreren Perspektiven lesen, weil so viel in diesem Buch passiert. Die Handlung steht quasi nie still, die leisen Momente sind selten und kurz, es geht immer voran. Das macht auch den Zauber der Spannung in diesem Buch aus: an der nächsten Ecke lauert auch schon die nächste Intrige, die nächste Überraschung. Das fand ich nicht nur gut, weil es mich so sehr in die Geschichte gesogen hat, sondern weil es auch perfekt das widerspiegelte, wie mir das alte Rom immer vermittelt wird und wie ich es mir dadurch auch vorgestellt habe.

Was ich aber zugeben muss: anfangs war ich ein klein wenig überfordert mit dem Setting (viele Namen schon alleine für die Orte) und den Namen der Figuren. Da laufen nämlich nicht nur Hauptfiguren und direkte Nebenfiguren herum, sondern auch noch Nebennebenfiguren usw. Das war erstmal gar nicht so einfach, nachzuvollziehen. Ich habe mich aber sehr bemüht und letztlich hat es sich auch gelohnt, denn diese ganzen Figuren haben das Ganze einfach so groß gemacht, wie es realistisch war.

Arvelle – verletzte Seele, die alles für ihre Brüder tut

Ich liebe ja starke Heldinnen, aber ich mag es gleichzeitig auch total, wenn sie nicht Kämpfen um des Kämpfens wegen, sondern weil sie müssen. Und genau so eine Heldin ist Arvelle: sie kämpft für ihre Brüder, für die Gerechtigkeit und für die anderen zu Unrecht Verurteilten im Ludus (das ist die Kampfarena im Buch).

Was dazukommt: Arvelle ist absolut nicht die beste Kämpferin, denn im Vergleich zu ihren Mitstreiter:innen hat sie keine magischen Kräfte, die sie neben ihrem Schwert einsetzen kann. Und dann ist der Zweikampf gegen einen Gladiator hoch wie breit gar nicht mal so angenehm.

Was ich an ihr total mochte, war, dass sie immer ehrlich zu sich blieb und sehr feine Antenne besaß, was komische Zeichen in ihrem Umfeld betraf. So ist sie sensibel für Verrat und Intrigen, ist aber gleichzeitig auch unheimlich menschlich in ihren Entscheidungen. Manchmal denkt man eben nicht nach oder möchte etwas so sehr, dass man die verräterischen Anzeichen nicht sieht. Das hat sie einfach sehr zugänglich für mich gemacht.

Der Primus und der Thronfolger – ein Love Triangle ohne eins zu sein?

Natürlich muss man auch in diesem Buch, das vor Machtkämpfen nur so strotzt, nicht auf die Liebesgeschichte verzichten. Der Primus sticht da mit seiner düsteren, geheimnisvollen Art gleich hervor, aber er verbirgt auch noch viel mehr und ganz so einfach ist es am Ende nicht. Ich mochte es, wie die Liebesgeschichte die Geschichte begleitet, sich aber nie in den Vordergrund stellt. Sie läuft nebenbei, nutzt die gestohlenen Momente und geheimen Blicke. Ich persönlich mag es so in Fantasybüchern fast am liebsten, weil die Verbundenheit zwischen den Figuren da ist (die bisweilen auch in Kämpfen wichtig ist), aber trotzdem nicht die Illusion entsteht, mit der rosaroten Brille wäre es möglich, in dieser Welt zu überleben.

Und dann gibt es da noch Rorrik, den fiesen Thronfolger, der wirklich so gar nichts vom Märchenprinzen hat. Und ja, man sollte eigentlich überhaupt nicht darüber nachdenken, dass er auch nur ansatzweise Part dieser Liebesgeschichte sein könnte (weil böse), aber bei ihm wurden trotz Intrigen usw. die Momente aufgezeigt, in denen ich meinte, doch etwas mehr in ihm zu sehen. Dadurch ist er für mich zur interessantesten Figur im ganzen Buch geworden. Denn auch Arvelle kann ihn überhaupt nicht einschätzen. Ich denke, da kommt noch einiges. Ich bin sehr gespannt, was er im zweiten Band von sich zeigt.

Ganz deutlich gesagt also nochmal: Der Spice steht in diesem Buch nicht im Fokus. Wer das also nicht so mag, wird diese Fantasygeschichte absolut genießen können.

Das Magiesystem – Sigillienmächte, Maginari & Vampire

Das Magiesystem, das hier in die römisch anmutende Kulisse eingebettet wurde, fand ich einfach nur total faszinierend und interessant. Und noch dazu neu, denn sowas habe ich wirklich noch nicht gelesen. Tatsächlich ist es in diesem Buch auch noch nicht so sehr im Fokus, ich glaube aber, da können wir uns in den nächsten Bänden noch auf mehr gefasst machen. So hat es oft die Spannung geschürt, mich immer wieder neugierig gemacht und vor allem Arvelle nochmal besonderer gemacht. Denn natürlich ist sie speziell, anders.

Cool fand ich außerdem, dass auch andere Wesen hier Platz fanden. So ganz klassisch erstmal Vampire, die hier allerdings nochmal ganz andere Fähigkeiten haben und die stärksten Wesen sind (das System dahinter, dass alle sich nach ihnen richten müssen, hat nochmal mehr Handlungsspice ins Buch gebracht. Dazu dann aber auch Maginari, also mythische Wesen wie Wyvern, Harpien und Zentauren und noch mehr, die diese Welt einfach sehr berreicherrt haben. Und zuletzt natürlich die Götter, die man so gar nicht richtig fassen kann, die aber sehr groß scheinen und die Handlung ganz unberechenbar beeinflussen.

Kurz gesagt also ein riesiges Potpourri an Faktoren, die die Handlung in verschiedene Richtungen lenken und im nächsten Band lenken könnten. Für mich, die gerne sagt „einmal alles bitte“, war es einfach nur perfekt!

Das Setting – Rom in neu gedacht

Die Kämpfe fand ich super cool, auch wenn man irgendwann merkte, dass sie sehr zu Arvelles Gunsten ausgelegt wurden. Gleichzeitig waren sie trotzdem blutig und authentisch und abwechslungsreich. So gibt es nicht nur Eins-gegen-Eins-Kämpfe, sondern auch Wasserschlachten, Wagenrennen und ganze Armeen, die gegeneinander antreten mussten. Bei alldem geht es natürlich nicht nur um Unterhaltung, sondern auch um politische Botschaften an das Volk. Ich fand es super umgesetzt, wie hier die Reichweite der damaligen Spiele in all ihren Ebenen ebenfalls zum Gegenstand wurden und Arvelle sich mitten in diesem Spiel der Macht befindet.

Lese ich weiter? Ja, auf jeden Fall!

Wie ihr euch sicher denken könnt, bietet das Ende einen Cliffhänger, der mich dazu bringt, unbedingt weiterlesen zu wollen. Es ist aber kein klassischer Cliffhänger innerhalb einer Situation, sondern vielmehr wird die ganze Handlung einfach umgeschmissen. Arvelles Ziel, mit Herz und Blut erkämpft, scheint plötzlich gar nicht mehr ihr Hauptanliegen zu sein. Oder nicht? Es ist alles offen und genau so mag ich es total gerne. Da kann jetzt noch so viel kommen und so sehe ich zwei weiteren Bänden sehr positiv entgegen.

Fazit:

Für mich ein grandioser Auftakt für eine Trilogie, die eher klotzt, als spart. Hier prallen Wesen, Magie und ein System, das komplett auf den Gladiatorenkämpfen der römischen Zeit aufeinander und das zu einem Spiel voller Intrigen, Machtkämpfen und Blut. Ich fand es einfach nur genial, wie sich die mutige, aber dennoch sehr menschliche Protagonistin Arvelle dort drin bewegt und für das kämpft, was ihr am meisten am Herzen liegt. Von der ersten bis zur letzten Seite war das Buch super gut lesbar, die Spannung hat mich an die Seiten gebannt. Ich bin sehr gespannt darauf, was nun im nächsten Band passiert! Achja und die Liebesgeschichte ist da, aber nur begleitend, was ich als sehr positiv empfunden habe.

Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.

Vielen Dank an den Verlag und Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar!

Liebe Grüße