Dark Vibes & Slow Burn

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nini_liest Avatar

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Weavingshaw von Heba Al-Wasity ist eine düstere Gothic-Romantasy mit einem extrem langsamen Slow Burn – und genau das habe ich beim Lesen auch sehr stark gespürt.

Leenas Bruder Rami ist todkrank, und aus purer Verzweiflung wendet sie sich an Saint Silas, den „Saint der Stille“. Der Preis für seine Hilfe ist ihr Geheimnis: dass sie die Toten sehen kann. Im Gegenzug soll sie für ihn einen Geist auf einem verfluchten Anwesen aufspüren – ein Ort voller dunkler Vergangenheit und unheimlicher Präsenz.

Ich mochte Leena wirklich gern. Man merkt einfach, wie sehr sie von ihrer Vergangenheit geprägt ist – der Verlust ihrer Mutter, ihr Vater im Gefängnis – und trotzdem tut sie alles für ihren Bruder. Diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit hat sie für mich sehr greifbar gemacht.

Mit Saint Silas hatte ich dagegen eher meine Probleme. Er war mir von Anfang an zu manipulativ, zu kontrollierend, einfach irgendwie… unangenehm. Klar, genau das macht ihn interessant, aber ich konnte emotional nie wirklich Zugang zu ihm finden. Für mich hatte er eher etwas Toxisches, und ich habe beim Lesen oft gedacht: Bitte geh einfach auf Abstand.

Die Dynamik zwischen den beiden ist genau das, was man erwartet – und gleichzeitig auch nicht. Es ist ein sehr langsamer Slow Burn, aber keiner, der sich „romantisch“ anfühlt. Vielmehr ist es angespannt, intensiv und manchmal auch echt unangenehm. Es geht weniger um Liebe und mehr um Macht, Abhängigkeit und diese gefährliche Anziehung, die man eigentlich hinterfragen sollte.

Was für mich aber richtig gut funktioniert hat, war das Setting. Dieses verfluchte Anwesen, die düstere Stimmung, dieses Gefühl, dass ständig etwas Unheimliches im Hintergrund lauert – das hat mich total abgeholt. Die Atmosphäre ist wirklich die größte Stärke des Buches.

Der Schreibstil passt perfekt dazu: sehr dicht, sehr düster, teilweise fast ein bisschen schwer. Die Geschichte nimmt sich Zeit, manchmal vielleicht sogar etwas zu viel. Der Plot geht eher langsam voran, und ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass mir etwas mehr Entwicklung guttun würde. Auch emotional bin ich nicht zu allen Charakteren richtig durchgedrungen – vor allem bei Silas.

Trotzdem fand ich das Buch insgesamt echt spannend und vor allem interessant, einfach weil es sich anders anfühlt als viele andere Romantasy-Bücher. Es ist düsterer, unangenehmer und weniger „romantisch“, als man vielleicht erwartet.

Mir hat nur an ein paar Stellen noch das gewisse Etwas gefehlt, um komplett überzeugt zu sein.