Gothic Fantasy

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kaylaliest Avatar

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Leena kann die Toten sehen. Eine Fähigkeit, die sie versteckt hält, weil sie in ihrer Welt eher als Gefahr als als Wunder gilt. Doch als ihr Bruder schwer krank wird, bleibt ihr keine Wahl: Sie verkauft ihr größtes Geheimnis an den gefürchteten „Saint of Silence“, einen Mann, der mit Geständnissen und Schuld handelt.

Was zunächst wie eine klassische Gothic-Fantasy beginnt, entwickelt sich schnell zu einer düsteren Geschichte über Zugehörigkeit, Verlust und Macht. Zwischen Geistern, alten Herrenhäusern und politischen Spannungen erzählt Heba Al-Wasity nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch von Migration, Ausgrenzung und dem Gefühl, nirgendwo wirklich zuhause zu sein.

Besonders stark ist die Atmosphäre. Weavingshaw selbst, das verfallene Anwesen in den Mooren, wirkt fast wie eine eigene Figur. Nebel, Geheimnisse und eine permanente Bedrohung ziehen sich durch den gesamten Roman. Auch der langsame Aufbau der Beziehung zwischen Leena und St. Silas funktioniert überraschend gut, weil die Spannung nicht über schnelle Romantik, sondern über Misstrauen und vorsichtige Annäherung entsteht

Leena ist dabei eine angenehm widersprüchliche Hauptfigur: verletzlich, aber nie passiv. Gerade ihre Familiengeschichte und ihre Rolle als Tochter von Geflüchteten geben der Geschichte deutlich mehr Tiefe als viele andere Romantasy-Titel.

Was mich allerdings etwas ausgebremst hat, war das Pacing. Die Geschichte nimmt sich sehr viel Zeit für Atmosphäre und innere Konflikte, wodurch manche Abschnitte spürbar langsamer wirken. Auch das Worldbuilding bleibt stellenweise eher angedeutet als wirklich ausgearbeitet. Einige magische Regeln und politische Hintergründe wirken interessant, werden aber nicht immer konsequent vertieft.

Trotzdem trägt die starke Stimmung den Roman über viele kleinere Längen hinweg. Gerade Fans von Gothic Fantasy und Slow Burn Romance werden hier fündig.

Fazit:
Ein atmosphärischer Gothic-Fantasy-Roman mit starken Themen rund um Identität, Verlust und Zugehörigkeit. Düster, emotional und intensiv erzählt, auch wenn sich die Geschichte stellenweise etwas zu sehr in ihrer eigenen Stimmung verliert.