Slow Burn trifft Gothic Vibes

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taljatalina Avatar

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„Weavingshaw“ von Heba Al-Wasity hat mich komplett in seine düstere, melancholische Atmosphäre gezogen. Dieses Buch lebt nicht von permanenten Plot Twists oder rasender Action, sondern von Stimmung, Geheimnissen und einer unterschwelligen Spannung, die sich langsam aufbaut. Genau das hat für mich unglaublich gut funktioniert.
Besonders das Setting war für mich ein absolutes Highlight. Die verfluchten Hallen von Weavingshaw, die Moorlandschaft, die Geister und diese bedrückende Gothic Stimmung wirkten fast filmreif. Man merkt beim Lesen richtig, wie viel Liebe in die Atmosphäre geflossen ist. Ich hatte ständig das Gefühl, selbst durch die dunklen Flure zu laufen oder die bedrückende Kälte der Welt zu spüren.
Leena mochte ich als Protagonistin sehr. Sie ist verletzlich, aber gleichzeitig stark und entschlossen. Besonders ihre Fähigkeit, mit den Toten zu sprechen, macht sie interessant und hebt sie von vielen typischen Fantasy Heldinnen ab. Saint Silas war für mich ebenfalls ein großer Pluspunkt. Endlich mal ein morally grey Charakter, der wirklich geheimnisvoll und gefährlich wirkt, ohne dabei unangenehm oder toxisch geschrieben zu sein. Die Dynamik zwischen den beiden ist eher leise und intensiv statt überdramatisch, was perfekt zur Geschichte passt. Der Slow Burn wurde hier wirklich gut umgesetzt.
Der Schreibstil ist sehr atmosphärisch und teilweise fast poetisch. Gerade Fans von Gothic Fantasy oder düsterer Romantasy werden hier wahrscheinlich komplett auf ihre Kosten kommen. Gleichzeitig behandelt das Buch auch ernstere Themen wie Ausgrenzung, Ungleichheit und Schuld, wodurch die Geschichte mehr Tiefe bekommt.
Trotzdem war nicht alles perfekt. Vor allem im Mittelteil hatte das Buch für mich einige Längen. Die Handlung entwickelt sich stellenweise wirklich sehr langsam und man muss Geduld mitbringen. Wer eher schnelle Fantasy mit viel Action erwartet, könnte hier Schwierigkeiten haben. Manche Szenen hätten für meinen Geschmack etwas kürzer sein können. Gerade am Anfang brauchte ich ein wenig, um richtig in die Geschichte hineinzufinden.
Aber genau wegen dieser langsamen Entwicklung funktionieren die Atmosphäre, die Figuren und die emotionale Spannung später umso besser. Das Ende hat mich dann komplett wieder abgeholt und jetzt brauche ich definitiv Band 2.
Für mich ist „Weavingshaw“ eine richtig starke Gothic Romantasy mit einzigartiger Stimmung, tollen Charakteren und einer intensiven Slow Burn Dynamik. Nicht perfekt im Pacing, aber atmosphärisch so stark, dass mich das kaum gestört hat.
⭐⭐⭐⭐⭐ 5/5 Sterne