Spannend und atmosphärisch bis zur wenig überzeugenden Auflösung

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carola1475 Avatar

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Annas Schwester Juli ist seit anderthalb Jahren verschwunden, der Vater ist seit einigen Monaten in Untersuchungshaft und Anna kümmert sich allein um den siebenjährigen Bruder Leon, da de Mutter psychisch krank und eher zusätzliche Belastung als Hilfe ist. Als der Vater angeblich einem Mithäftling gegenüber den Mord an Juli gesteht, werden die Ermittlungen wieder aufgenommen. Anna vertraut der Polizei nicht und versucht selber, den Täter zu finden. Sie trägt schwer an all der Verantwortung, die sie übernommen hat und bewegt sich oft am Rande eines Zusammenbruchs.
Erzählt wird nicht nur aus Annas Ich-Perspektive, sondern abwechselnd auch aus der der Ermittlungsleiterin Katharina. Ich teile beider Gedanken und Gefühle und kann so den Fall um Julis Verschwinden von verschiedenen Seiten betrachten. Katharina ist mir sympathisch, sie scheint eine gute Ermittlerin zu sein, sie ist ein Teamplayer und hat Mitgefühl für Anna. Ich bekomme auch Einblicke in ihr Privatleben.

Caroline Seibt schreibt bildhaft und eindringlich, sie legt falsche Fährten und lässt Anna gedankliche Andeutungen machen, die mich Theorien aufstellen und bald wieder verwerfen lassen, wenn es wieder eine überraschende Wendung gibt. Kapitel enden oft mit Cliffhangern, die es schwierig machen, eine Lesepause einzulegen.
Die Geschichte ist emotional und es herrscht eine düstere und deprimierende Atmosphäre, nicht nur, wenn Annas Zuhause der Schauplatz ist. Die Verlassenheit und fehlende Unterstützung einer Familie in derartiger Situation stellt die Autorin glaubhaft dar.

Die Auflösung ist unerwartet, sehr konstruiert und es bleiben Fragen unbeantwortet. Dennoch hatte ich spannende Lesestunden mit 'Weil sie lügt' und ich habe den Thriller größtenteils gern gelesen.