Eiskalte Ermittlungen in Lappland
„Weißer Rausch“ von Anu Ojala ist der Auftakt der Lappland-Trilogie und hat mich vor allem mit seiner besonderen Atmosphäre und dem ungewöhnlichen Setting überzeugt. Die Geschichte spielt an der finnisch-schwedischen Grenze und verbindet brutale Verbrechen, Drogenhandel und grenzübergreifende Ermittlungen.
Besonders gut gefallen hat mir die Beschreibung von Lappland. Die eisige Kälte, die verschneite Landschaft und die Dunkelheit passen perfekt zu einem Thriller und sorgen für eine düstere und stellenweise beklemmende Stimmung. Die Landschaft bildet dabei einen tollen Kontrast zu den teilweise sehr brutalen Ereignissen. Gerade diese Mischung aus der ruhigen, fast unberührten Natur und den Geschehnissen, die sich dort abspielen, fand ich sehr gelungen.
Auch Kommissarin Ronja Jentzsch fand ich interessant. Sie ist keine völlig glattpolierte Ermittlerin, sondern bringt ihre eigene Geschichte und persönliche Probleme mit. Dadurch bekommt sie für mich eine gewisse Tiefe und bleibt als Hauptfigur interessant. Ich mag es, wenn man bei einem Reihenauftakt nicht nur einen Fall präsentiert bekommt, sondern gleichzeitig eine Ermittlerin kennenlernt, deren Geschichte noch nicht auserzählt ist.
Allerdings hatte das Buch für mich auch einige Längen. Vor allem die Polizeiarbeit wird teilweise so ausführlich und detailliert beschrieben, dass es mir zwischendurch einfach zu viel wurde. Grundsätzlich finde ich es interessant, etwas über die Ermittlungsarbeit zu erfahren, aber hier waren manche Abläufe für meinen Geschmack einfach zu genau erklärt. Dadurch ging für mich an einigen Stellen die Spannung verloren und die Geschichte wurde etwas langatmig. Hier hätte ich mir mehr Tempo und weniger Details gewünscht. Gerade bei einem Thriller möchte ich nicht bei jedem einzelnen Schritt der Ermittlungen so ausführlich dabei sein, wenn dadurch die eigentliche Spannung etwas auf der Strecke bleibt.
Trotzdem hat mich „Weißer Rausch“ insgesamt gut unterhalten. Die Geschichte ist spannend, stellenweise ziemlich hart und vor allem atmosphärisch. Auch die verschiedenen Schauplätze und die grenzübergreifenden Ermittlungen sorgen dafür, dass es immer wieder neue Aspekte gibt. Man merkt außerdem, dass hier eine größere Geschichte angelegt ist und nicht nur ein einzelner Fall im Mittelpunkt steht.
Das Setting im hohen Norden ist für mich definitiv eines der Highlights und macht den Thriller zu etwas Besonderem. Gerade die Kälte und die Abgeschiedenheit passen sehr gut zu der düsteren Geschichte und bleiben mir wahrscheinlich länger im Gedächtnis als so manche Einzelheit des Falls.
Ein perfekter Thriller war es für mich allerdings nicht. Dafür gab es mir zwischendurch einfach zu viele Längen und die sehr ausführlich beschriebene Polizeiarbeit hat mir manchmal etwas die Spannung genommen. Trotzdem fand ich den Auftakt interessant und Ronja Jentzsch ist eine Ermittlerin, deren Entwicklung ich durchaus weiterverfolgen würde.
Ob ich die Reihe tatsächlich weiterlese, weiß ich deshalb noch nicht ganz. Das Setting und die Figuren haben mir gefallen, aber der erste Band konnte mich nicht durchgehend packen. Ich werde mir den nächsten Band auf jeden Fall anschauen und dann entscheiden, ob ich Ronja Jentzsch noch einmal nach Lappland begleite.