Tod auf der Eisseidenstraße
** Diese Rezension bezieht sich auf das Hörbuch **
Bei der Ankündigung einer neuen Krimireihe zucke ich mittlerweile eher zurück, da je niemand all diese Serien bis zum bitteren Ende durchhalten kann, Doch mich haben die Worte Finnland und Lappland neugierig gemacht. Das Cover soll natürlich Lesende und Hörende anlocken, die zu jedem neuen Krimi mit einem roten Holzhäuschen auf der Vorderseite greifen. Aus Marketinggesichtspunkten also gelungen, zum Inhalt passt es aber eher nicht. Die Leseprobe habe ich dann nach wenigen Seiten abgebrochen. Der Schreibstil (die Übersetzung?) konnte mich gar nicht überzeugen. Viel zu schlicht, zu "heruntererzählt" und so gar nicht zum Inhalt passend. Das war mein erster Eindruck. Zum Glück habe ich dann aber dem Hörbuch eine Chance gegeben und schlagartig war ich gefesselt. Sprecherin Lina Syren überzeugt wieder einmal durch ihre atmosphärische und fokussierte Erzählweise. Ihre Stimme passt einfach perfekt zu nordischen Kriminalromanen. Und erst vorgelesen konnte mich der klare Stil der Übersetzung durch Tanja Küddelsmann dann doch noch überzeugen. Es ist ja auch eine besondere Herausforderung, Bücher aus dem Finnischen zu übersetzen, in denen der Winter eine Rolle spielt, haben doch die Finnen weitaus mehr Wörter für die verschiedenen Formen von Eis und Schnee, als wir es uns vorstellen können. Tatsächlich hatte ich bei Hören das Gefühl, draußen herrsche eine Temperatur von -33°C und war froh dabei gemütlich auf meiner Couch oder im Auto zu sitzen. Auch die wechselnden Perspektiven haben mir gut gefallen. Lina Syren versteht es, diese einzunehmen ohne dabei gekünstelt verschiedene Stimmlagen einzunehmen. Ich konnte mich sehr gut darauf einlassen und hatte keine Probleme das Gesprochene den jeweiligen Protagonist*innen zuzuordnen. 8 Stunden und 10 Minuten wurde ich sehr gut unterhalten und habe das Hörbuch danach gleich noch einmal abgespielt.
Doch worum geht es? Ana Ojala ist eine finnische Autorin, die man mit Fug und Recht der Kategorie Nordic Noir zuordnen kann. "Weißer Rausch" ist der erste Teil einer Trilogie um die Polizistin Ronja Jentsch, die in einer finnisch-schwedischen Sondereinheit operiert. Hier in Lappland spielt der Schmuggel eine große Rolle. Im Original trägt der Thriller den Titel Jääsilkkitie, was in etwa Eisseidenstraße bedeutet. Zugegebenermaßen würde dieser Begriff dem deutschsprachigen Publikum wenig sagen. Tatsächlich passt der Titel am Ende aus mehreren Gründen sehr gut zum Inhalt. Mehr möchte ich hier nicht verraten.
Die Figur der Ronja Jentzsch finde ich überzeugend gestaltet. Sie ist eine Frau, die nicht nur einen herausfordernden Job leistet, sondern sich zudem noch um ihre demente Mutter kümmert. Durch die Mutter kommt auch der Lapplandkrieg zur Sprache, über den in Deutschland kaum jemand Bescheid weiß, während er in Finnland noch immer für transgenerationale Traumata verantwortlich ist. Hier hätte ich mir noch mehr Informationen gewünscht. Vielleicht ergibt sich das ja noch in den beiden Folgebänden. Jentsch jedenfalls geht weit über ihre Kräfte hinaus und kennt weder Privatleben noch Freizeit. Work-Life-Balance ist ein Fremdwort. Ihre Erschöpfung wird geradezu spürbar. In der Tradition des Nordic Noir werden weitere gesellschaftliche Probleme thematisiert, etwa Kriminalität, Aufwachsen in dysfunktionalen Familien und häusliche Gewalt.
Fazit: Von der Skeptikerin bin ich zu einer begeisterten Hörerin geworden. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Bände, die in Finnland längst ein Beststeller sind und werde dann als Format wieder das Hörbuch wählen. Trotz manchmal vorhersehbarer Ereignisse gibt es immer wieder Plot-Twists, die mich überrascht haben. Ein wirklich gelungener Thriller, den ich mit fünf Sternen bewerte.
⭐⭐⭐⭐⭐
Bei der Ankündigung einer neuen Krimireihe zucke ich mittlerweile eher zurück, da je niemand all diese Serien bis zum bitteren Ende durchhalten kann, Doch mich haben die Worte Finnland und Lappland neugierig gemacht. Das Cover soll natürlich Lesende und Hörende anlocken, die zu jedem neuen Krimi mit einem roten Holzhäuschen auf der Vorderseite greifen. Aus Marketinggesichtspunkten also gelungen, zum Inhalt passt es aber eher nicht. Die Leseprobe habe ich dann nach wenigen Seiten abgebrochen. Der Schreibstil (die Übersetzung?) konnte mich gar nicht überzeugen. Viel zu schlicht, zu "heruntererzählt" und so gar nicht zum Inhalt passend. Das war mein erster Eindruck. Zum Glück habe ich dann aber dem Hörbuch eine Chance gegeben und schlagartig war ich gefesselt. Sprecherin Lina Syren überzeugt wieder einmal durch ihre atmosphärische und fokussierte Erzählweise. Ihre Stimme passt einfach perfekt zu nordischen Kriminalromanen. Und erst vorgelesen konnte mich der klare Stil der Übersetzung durch Tanja Küddelsmann dann doch noch überzeugen. Es ist ja auch eine besondere Herausforderung, Bücher aus dem Finnischen zu übersetzen, in denen der Winter eine Rolle spielt, haben doch die Finnen weitaus mehr Wörter für die verschiedenen Formen von Eis und Schnee, als wir es uns vorstellen können. Tatsächlich hatte ich bei Hören das Gefühl, draußen herrsche eine Temperatur von -33°C und war froh dabei gemütlich auf meiner Couch oder im Auto zu sitzen. Auch die wechselnden Perspektiven haben mir gut gefallen. Lina Syren versteht es, diese einzunehmen ohne dabei gekünstelt verschiedene Stimmlagen einzunehmen. Ich konnte mich sehr gut darauf einlassen und hatte keine Probleme das Gesprochene den jeweiligen Protagonist*innen zuzuordnen. 8 Stunden und 10 Minuten wurde ich sehr gut unterhalten und habe das Hörbuch danach gleich noch einmal abgespielt.
Doch worum geht es? Ana Ojala ist eine finnische Autorin, die man mit Fug und Recht der Kategorie Nordic Noir zuordnen kann. "Weißer Rausch" ist der erste Teil einer Trilogie um die Polizistin Ronja Jentsch, die in einer finnisch-schwedischen Sondereinheit operiert. Hier in Lappland spielt der Schmuggel eine große Rolle. Im Original trägt der Thriller den Titel Jääsilkkitie, was in etwa Eisseidenstraße bedeutet. Zugegebenermaßen würde dieser Begriff dem deutschsprachigen Publikum wenig sagen. Tatsächlich passt der Titel am Ende aus mehreren Gründen sehr gut zum Inhalt. Mehr möchte ich hier nicht verraten.
Die Figur der Ronja Jentzsch finde ich überzeugend gestaltet. Sie ist eine Frau, die nicht nur einen herausfordernden Job leistet, sondern sich zudem noch um ihre demente Mutter kümmert. Durch die Mutter kommt auch der Lapplandkrieg zur Sprache, über den in Deutschland kaum jemand Bescheid weiß, während er in Finnland noch immer für transgenerationale Traumata verantwortlich ist. Hier hätte ich mir noch mehr Informationen gewünscht. Vielleicht ergibt sich das ja noch in den beiden Folgebänden. Jentsch jedenfalls geht weit über ihre Kräfte hinaus und kennt weder Privatleben noch Freizeit. Work-Life-Balance ist ein Fremdwort. Ihre Erschöpfung wird geradezu spürbar. In der Tradition des Nordic Noir werden weitere gesellschaftliche Probleme thematisiert, etwa Kriminalität, Aufwachsen in dysfunktionalen Familien und häusliche Gewalt.
Fazit: Von der Skeptikerin bin ich zu einer begeisterten Hörerin geworden. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Bände, die in Finnland längst ein Beststeller sind und werde dann als Format wieder das Hörbuch wählen. Trotz manchmal vorhersehbarer Ereignisse gibt es immer wieder Plot-Twists, die mich überrascht haben. Ein wirklich gelungener Thriller, den ich mit fünf Sternen bewerte.
⭐⭐⭐⭐⭐