Zwischen Rausch und Realität
Weißer Rausch, der erste Teil aus der Lappland- Trilogie von Anu Ojala, konnte mich absolut begeistern und überzeugen. Anfangs stutze ich ob des Titels, der jedoch nicht treffender hätte sein können! Ich hatte riesige Freude, Ronja Jentzsch und ihre Truppe in ihrem Alltag zu begleiten - und der hat es echt in sich: Wir haben es mit zahlreichen Toten zu tun und bewegen uns in erster Linie im Drogenmilieu, daher hat mich die Brutalität nicht überrascht. Gerade die grenzüberschreitende Ermittlung Finnland und Schweden betreffend finde ich wahnsinnig spannend, besonders wenn es sich wie hier um ein brandaktuelles Thema handelt wie etwa die neue "Trend-Droge" Fentanyl. Die Autorin greift die Suchttproblematik und die Naivität der jungen Bevölkerung gekonnt auf, ebenso zeigt sie, welche Konsequenzen diese haben und welche Sorgen diese bei den Ermittlern auslösen. Doch dabei bleibt es nicht, denn der Leser wird auch noch mit häuslicher Gewalt konfrontiert, wie man sie eher selten findet und zusätzlich mit einem Kriegstrauma. An Pratogonisten mangelt es in diesem Buch auf keinen Fall, man muss sich schon konzentrieren, damit man die Personen den jeweiligen Szenen zuordnen kann. Hauptcharaktere sind Ronja, die Leiterin der grenzermittelnden Gruppe RYR und der Zollbeamte Kristian. Ronja eine fleißige und ehrgeizige Kriminalkommissarin, die bis zur Erschöpfung und Selbstaufgabe arbeitet, Kristian, der verzweifelt versucht einer dramtischen Situation zu entfliehen und seine Tochter zu schützen. Ich habe die beiden zwar einerseits ins Herz geschlossen, aber beide konnten mich auch schrecklich aufregen und wütend machen mit ihrem Verhalten. Manchmal empfand ich Kristian auch als etwas zu gutgläubig. Genauso konnte ich mich allerdings mit Ronja über den Staatsschutz ärgern, wenn dieser Aussagen macht wie "In diesem Krieg kommt es auf einen Polizisten mehr oder weniger nicht an". Da bleibt nicht nur Ronja sprachlos zurück! Wie Ronja hat mich auch das Schicksal von Minja tief berührt und aus diesem Grund muss ich unbedingt wissen, wie die Trilogie enden wird! Außerdem muss ich unbedingt wissen, welche Rolle diese mysteriöse Schmerz- und Rehaklinik mit ihrer Geschäftsführerin und deren Mitarbeitern spielt! Deshalb kann ich dieses Buch uneingeschränkt weiterempfehlen, sofern man mit Brutalitäten, wie sie in der Drogenkriminalität eben üblich sind, klar kommt. Man rauscht geradezu durch die Geschichte bis zu ihrem finalen Höhepunkt am Ende des ersten Teils und ich wünschte, ich könnte direkt Teil zwei lesen, seufz.