Die Stimmung eines Sommers

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noiram Avatar

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Die Leseprobe zu „Weißer Sommer“ beginnt mit diesem einsamen Haus am Ende der Straße, das beinahe wie ein lebendiges Wesen beschrieben wird, das darauf wartet, aus seinem Winterschlaf geweckt zu werden. Man spürt, dass dieser Ort voller Erinnerungen und vielleicht auch Geheimnisse steckt.
​Besonders gut gefallen hat mir die Begegnung zwischen Alma und dem jungen Mann – ich nehme an, es ist Friedrich. Die Szene, in der sie am See sitzen und über das Malen sprechen, ist sehr feinfühlig geschrieben. Man merkt, dass Alma eine tiefe Leidenschaft für die Kunst hat, diese aber wie einen kostbaren Schatz für sich behält. Dass sie ihre Bilder mit niemandem teilen will, weil sie die Reaktion der anderen scheut, macht sie zu einer sehr verletzlichen und interessanten Figur.
​Der Schreibstil von Eva Pramschüfer ist wunderbar leicht und doch sehr präzise. Die Beschreibungen der Natur, der dichten schwarzen Wimpern oder das Gefühl, als würde man sich in einer „Blase aus Sommer und Licht“ befinden, erzeugen starke Bilder im Kopf. Es ist diese typische Stimmung eines Sommers, in dem alles möglich scheint, aber auch eine gewisse Melancholie mitschwingt.
​Die Dynamik zwischen den beiden – dieses vorsichtige Vortasten und der Wunsch, einmal die „Muse“ zu sein – hat mich sehr neugierig gemacht. Es wirkt wie der Beginn einer intensiven Geschichte über Kunst, Selbstfindung und die Angst davor, sich anderen wirklich zu zeigen. Ich würde sehr gerne weiterlesen, um zu erfahren, ob Alma ihre Zurückhaltung ablegt und was das Haus auf dem Hügel noch alles verbirgt.