Dieser Sommer fühlt sich nicht nach Sommer an

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vanstralen Avatar

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Schon in den ersten Seiten von Weißer Sommer von Eva Pramschüfer hatte ich das Gefühl, in etwas hineingezogen zu werden, das gleichzeitig vertraut und irgendwie unheimlich ist. Besonders der Prolog hat mich direkt gepackt – die Perspektive des Hauses, das Erinnerungen speichert, war für mich ungewöhnlich und gleichzeitig total stimmungsvoll. Es hat sofort diese leise Spannung aufgebaut, als würde etwas unter der Oberfläche brodeln.
Was mir besonders aufgefallen ist: die Sprache. Sie ist sehr bildhaft, fast schon sinnlich, ohne überladen zu wirken. Gerade die Beschreibungen – der Garten, das Wasser im Pool, die Hitze – fühlen sich so intensiv an, dass ich beim Lesen selbst dieses flirrende, schwere Sommergefühl hatte. Gleichzeitig ist da diese Leere, dieses „weiße“ Gefühl, das sich durch alles zieht.
Alma als Figur wirkt auf mich sehr nahbar, aber auch widersprüchlich. Ihre Gedanken springen zwischen Sehnsucht, Angst und Kontrolle hin und her – besonders in Bezug auf Théo. Man merkt richtig, wie viel Vergangenheit zwischen ihnen liegt, ohne dass alles sofort erklärt wird. Dieses „zu viel Wissen über einen Menschen“ fand ich extrem treffend beschrieben.
Auch die Rückblenden rund um den Tod ihres Großvaters haben bei mir etwas ausgelöst. Diese Mischung aus Distanz, unterschwelliger Wut und dem Gefühl, eigentlich traurig sein zu müssen, aber es nicht richtig zu können – das war für mich einer der stärksten Teile der Leseprobe.
Insgesamt wirkt das Buch auf mich wie eine sehr ruhige, aber intensive Geschichte über Beziehungen, Identität und dieses merkwürdige Lebensgefühl Mitte zwanzig, wenn alles gleichzeitig möglich und schon fast zu spät scheint. Es passiert nicht „viel“ im klassischen Sinne, aber innerlich passiert unglaublich viel.
Ich bin auf jeden Fall neugierig geworden, wie sich die Beziehung zwischen Alma und Théo weiterentwickelt – und ob dieser Sommer wirklich etwas „reparieren“ kann oder eher alles endgültig auseinanderbricht.