Wenn Weiß keine Farbe mehr ist

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azur.blau.liest Avatar

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Das Cover zeigt keinen Strandurlaubs-Kitsch, das ist ein Bild für einen inneren Zustand: eine Frau, die reglos im türkisfarbenen Wasser treibt – zwischen Erschöpfung und Schwerelosigkeit. Reduziert, malerisch, wunderschön.

Eva Pramschüfer schreibt, als würde sie direkt in Almas Kopf wohnen, präzise, manchmal atemlos: Dienstag ist blasses Blau, der Sommer war immer orange – aber dieser hier ist weiß. Diese Stimme hat sofort eine unverkennbare Qualität, die man entweder liebt oder nicht. Ich liebe sie.

Die Spannung entsteht hier nicht durch Plot, sondern durch emotionale Dichte. Was zwischen Alma und Théo schiefgelaufen ist, bleibt zunächst offen – und genau das hält einen in der Schwebe. Die Pro-Contra-Liste im Notizbuch, der Buzzcut, das Schlafen im Poolhaus: lauter kleine Signale, die mehr verraten als jede Erklärung.

Théo und Alma als Charaktere sind auf Anhieb lebendig. Die Rückblende ihrer ersten Begegnung – die Grabstein-Werkstatt, der gestohlene Stift, das Zeichnen am Café-Tisch – gehört zu den charmantesten Kennenlernen, die ich seit Langem gelesen habe.

Ich vermute keinen klassischen Liebesroman, eher eine ehrliche Bestandsaufnahme davon, was übrig bleibt, wenn die Verliebtheit sich aufgebraucht hat.