Zwischen Sommerhitze und unterschwelliger Spannung

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eight_butterflies Avatar

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Die ersten Seiten von „Weißer Sommer“ haben mich sofort in so eine ganz eigene Stimmung gezogen, die ich gar nicht richtig greifen konnte, irgendwo zwischen sommerlicher Leichtigkeit und einem unterschwelligen Gefühl, dass da etwas nicht ganz stimmt. Dieser Kontrast hat mich direkt gepackt. Alles wirkt hell, warm und fast schon träge, aber gleichzeitig liegt da eine Spannung in der Luft, die man beim Lesen richtig spürt. Ich hatte ständig das Gefühl, dass hinter den kleinen Gesten und Gesprächen noch viel mehr steckt.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Sprache. Sie ist ruhig, fast zurückhaltend, aber gleichzeitig unglaublich dicht. Es passiert gar nicht so viel auf den ersten Seiten, und trotzdem hatte ich nicht einmal das Bedürfnis, schneller zu lesen, eher im Gegenteil. Ich wollte bei manchen Sätzen kurz innehalten, weil sie so treffend formuliert waren. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man selbst mit in dieser Sommerhitze stehen, dieses flirrende Licht sehen und gleichzeitig merken, dass sich etwas zusammenbraut.
Auch die Figuren haben mich direkt neugierig gemacht. Sie wirken nicht überzeichnet oder künstlich dramatisch, sondern eher wie echte Menschen, die Dinge mit sich herumtragen, die sie vielleicht selbst noch nicht ganz verstanden haben. Gerade diese leisen Andeutungen, kleine Spannungen und unausgesprochene Gedanken fand ich richtig stark. Man bekommt nicht alles sofort erklärt, sondern muss sich vieles selbst zusammenfühlen.
Auch optisch macht das Buch echt was her. Das Cover passt total gut zu dieser Stimmung. Hell, modern, irgendwie ruhig, aber trotzdem nicht belanglos. Es ist nichts, was sofort schreit „schau mich an“, aber genau das finde ich passend zu dem, was ich bisher gelesen habe.
Insgesamt hat mich die Leseprobe wirklich überrascht. Ich bin ohne große Erwartungen reingegangen und hatte am Ende das Gefühl, unbedingt wissen zu wollen, wie sich das alles weiterentwickelt. Vor allem interessiert mich, ob diese leise Spannung irgendwann komplett aufbricht oder ob sie sich weiter so unterschwellig durchzieht. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch emotional noch ziemlich intensiv wird.