Die Stille eines Sommers

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Manche Bücher leben nicht von großen Wendungen oder ständiger Spannung, sondern von einer ganz bestimmten Atmosphäre. Genau so ging es mir mit Weißer Sommer von Eva Pramschüfer. Schon nach den ersten Seiten hatte ich dieses ruhige, fast schwere Gefühl, das einen beim Lesen begleitet und irgendwie nicht mehr loslässt.

Die Geschichte wirkt zunächst unscheinbar, entfaltet aber nach und nach eine starke emotionale Tiefe. Ohne zu spoilern kann man sagen, dass es vor allem um Erinnerung, Verlust und zwischenmenschliche Beziehungen geht. Besonders gelungen fand ich, wie realistisch die Gefühle dargestellt werden. Nichts wirkt künstlich dramatisch oder übertrieben – eher so, als würde man echte Gedanken und Gespräche mitverfolgen.

Der Schreibstil hat mir dabei besonders gefallen. Eva Pramschüfer schreibt ruhig und sehr bildhaft, ohne dabei unnötig kompliziert zu werden. Viele Szenen wirken fast wie Momentaufnahmen: still, aber gleichzeitig intensiv. Gerade diese zurückhaltende Art macht das Buch meiner Meinung nach so besonders. Es gibt Stellen, die man liest und erst ein paar Seiten später merkt, wie sehr sie eigentlich getroffen haben.

Auch die Figuren wirkten auf mich authentisch. Sie sind nicht perfekt und handeln manchmal widersprüchlich, aber genau das macht sie glaubwürdig. Besonders gelungen fand ich, dass die Charaktere nicht nur oberflächlich beschrieben werden, sondern man ihre Unsicherheiten und inneren Konflikte nachvollziehen kann. Dadurch fiel es leicht, mit ihnen mitzufühlen.

Das Cover passt sehr gut zur Stimmung des Romans. Die helle, eher reduzierte Gestaltung wirkt gleichzeitig ruhig und melancholisch und spiegelt den Titel perfekt wider. Es ist kein auffälliges Cover, aber genau dadurch bleibt es im Kopf.

Interessant fand ich außerdem, dass das Buch viele Themen anspricht, die auch im echten Leben oft unausgesprochen bleiben. Während des Lesens musste ich öfter über eigene Erinnerungen und Beziehungen nachdenken, was für mich immer ein Zeichen dafür ist, dass ein Buch etwas erreicht hat.

Insgesamt ist Weißer Sommer kein lauter Roman, sondern eher einer, der sich langsam entfaltet und gerade deshalb lange nachwirkt. Ich würde das Buch allen empfehlen, die emotionale und nachdenkliche Geschichten mögen und keine reine Action oder schnelle Spannung erwarten. Für mich war es ein Buch, das vor allem durch Stimmung, Sprache und Ehrlichkeit überzeugt hat.