intensiv und wunderschön

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sarah608 Avatar

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„Weißer Sommer“ hat sich für mich weniger wie ein klassischer Liebesroman angefühlt, sondern wie eine Erinnerung, da es sich realistisch anfühlt. Alles wirkt warm, flirrend und gleichzeitig ein bisschen traurig, eben wie die letzten Tage eines Sommers, von denen man schon weiß, dass sie nicht bleiben werden. Eva Pramschüfer erzählt die Geschichte von Alma und Théo mit einer unglaublichen Feinfühligkeit. Es geht um Liebe, aber eigentlich noch viel mehr um das Erwachsenwerden, um Selbstfindung und um die Frage, ob zwei Menschen sich wirklich lieben können, ohne sich gegenseitig ein Stück weit zu verlieren. Gerade diese Unsicherheit zwischen Nähe und Freiheit war authentisch beschrieben. Beide Figuren wollen lieben, aber gleichzeitig auch unabhängig bleiben, kreativ sein, ihren eigenen Weg gehen und genau daran beginnt ihre Beziehung langsam zu zerbrechen.
Besonders beeindruckt hat mich die Atmosphäre des Romans. Frankreich, München, Berlin, die langen Gespräche und das ständige Gefühl von Sehnsucht ziehen sich durch das ganze Buch. Zu Beginn ist es mir etwas schwer gefallen, in die Geschichte reinzukommen, da die Perspektiven und Zeiten sich sprunghaft ändern. Der Schreibstil ist ruhig und sehr bildhaft, ohne überladen zu wirken. Schwierige Themen, wie Klassenunterschiede und Zukunftsängste wurden ganz selbstverständlich in die Geschichte eingewoben.
Mir hat besonders gefallen, dass die Beziehung nie idealisiert wird. Das Buch zeigt nicht nur die Intensität der ersten großen Liebe, sondern auch, wie anstrengend und kompliziert Liebe sein kann, wenn beide Menschen noch dabei sind, sich selbst zu finden. Die Geschichte ist melancholisch, intensiv und nahbar geschrieben.