Sprachlich eine Wucht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
nell liest Avatar

Von

Alma und Théo haben sich in den letzten Jahren verloren. In den kommenden acht Tagen wollen sie herausfinden, was da noch zwischen ihnen ist, ob diese einzigartige Liebe Bestand hat und ob sie daran festhalten sollen oder nicht.
Unbedingt wollte ich „Weisser Sommer“ von Eva Pramschüfer lesen, nachdem es mich zu verfolgen schien. Zurück lässt es mich zwiegespalten. Sprachlich hat es mich absolut umgehauen. Eva Pramschüfer wählt so gekonnt Metaphern aus, als würde sie den ganzen Tag nichts andere machen und anfangs wollte ich auch so langsam wie möglich lesen, weil sonst der Lesegenuss zu schnell vorbei ist - ein Phänomen, das ich äußerst selten erlebe.
Thematisch war es aus persönlichen Gründen herausfordernd, trotzdem wollte ich es unter allen Umständen weiterlesen und Eva Pramschüfer hat oft die passenden Worte gefunden, die eine große, aufzerrende Liebe beschreiben. Auch die Verbindung zu Kunst, zu Frankreich und einem entscheidenden Sommer (was momentan absolut im Trend liegt) mochte ich sehr.
Doch im Laufe der Zeit gingen mir Alma und Théo auf die Nerven. Vielleicht lag es auch an der Erwartungshaltung durch den Klappentext. Denn ja sie setzen sich mit ihrer Zukunft auseinander, aber in dem Sommer schweigen sie sich meist an und schleichen um sich herum. Erst am Schluss kommt es wirklich zu einer Auseinandersetzung. Die meiste Zeit geht es um die Vergangenheit, wie alles anfing und wie sich die beiden verlieren konnten, wobei sich der Fokus von Alma auf Theo verschiebt.
Dennoch empfinde ich die Figurenentwicklung als durchaus realistisch, gerade in dem Alter, wo man noch nicht weiß, wer man ist, wer man sein will; und auch, dass man sich selbst für die Liebe fast aufgibt. So eine Liebe ist schmerzhaft, und zwar nicht auf eine toxische Weise. Etwas, was man selten liest, weil es nun mal kein Extrem ist, aber gerade deswegen gelesen werden muss, denn jede*r erlebt so etwas wahrscheinlich irgendwann.
Auch das Ende fand ich wieder absolut stimmig.
Alles in allem ist es ein beeindruckendes Debüt und ich werde Eva Pramschüfer im Blick behalten.