Was von uns bleibt.

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suewid Avatar

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Es gibt schnulzige, kitschige Liebesromane und es gibt jene, die unter die Haut gehen.
Die durch ihre Poesie, ihre Intensität und ihre Realitätsnähe berühren und Türen öffnen, von denen man nicht einmal wusste, dass es sie gibt.
Schon nach der Leseprobe war mir klar, dass der Debütroman von Eva Pramschüfer zur zweiten Kategorie gehört.
Denn er beginnt dort, wo andere Geschichten enden könnten, mit dem möglichen Ende einer Beziehung.
Alma und Théo, ein junges Paar, begegnen sich ein letztes Mal.
In dem Ferienhaus in Frankreich, wo alles begann, wollen sie herausfinden, ob ihre erste große Liebe auch in der Realität Bestand haben kann.
Und bereits auf den ersten Seiten liegt etwas in der Luft.
Eine scheinbare Leichtigkeit, die im stillen Gegensatz zu den Spannungen steht, die unter der Oberfläche längst zu wirken begonnen haben.

In wechselnden Zeitebenen erfahren wir, wie Almas und Théos Geschichte beginnt und wie sich ihre Beziehung bis zu ihrem letzten gemeinsamen Sommer entwickelt. Dabei wechselt die Perspektive geschickt zwischen Alma und Théo, sodass es nie einseitig wird.
Gekonnt bindet die Autorin die große Leidenschaft der beiden Protagonisten ein, die Kunst. Alma liebt die Malerei und ist bereit, ihr ganzes Leben danach auszurichten. Théo hingegen ist ein talentierter Steinmetz und Bildhauer, der zunächst im Familienbetrieb mit seinem Vater Grabsteine bearbeitet, sich jedoch nicht traut, sich selbst zu verwirklichen, weil er seinem eigenen Talent nicht vertraut.
Hinzu kommt die Spannung, die Kunstschaffende oft trennt: Hat man wie Alma durch die Familie einen finanziell sicheren Hintergrund oder befindet man sich, wie Théo, im Spannungsfeld zwischen Broterwerb und künstlerischem Anspruch?
Gerade diese Zwischentöne machen die Hauptfiguren so interessant, nahbar und sympathisch. Ich konnte mich sehr gut in ihre Nöte, Sorgen und Zweifel einfühlen. Aber auch ihre große Nähe und Verbundenheit war greifbar und ging mir sehr ans Herz.
Sie sind dabei keineswegs fehlerfrei oder immer logisch in ihren Entscheidungen. Aber genau so sollte sich ein ehrlicher Roman anfühlen.
Besonders gefallen hat mir die leicht melancholische Grundstimmung, die jedoch nie ins Übertriebene abgleitet. Frau Pramschüfer malt mit ihrem poetischen Schreibstil wunderschöne Bilder in meinen Kopf. Immer wieder musste ich Sätze markieren.

Ein winziger Makel ist allerdings der nicht immer ganz klare Wechsel der Zeitebenen. Beim Lesen musste ich teilweise genauer darauf achten, ob wir uns gerade in der Gegenwart oder in der Vergangenheit befinden. Das klärt sich zwar meist schnell nach wenigen Sätzen, hätte meiner Meinung nach aber eleganter gelöst sein können.


Meine Bewertung:
(5 von 5 Sternen)

Für mich war es ein sehr berührender und poetischer Roman, der noch lange in mir nachklingen wird. Besonders dann, wenn ich ein Bild oder eine Statue in einem Museum betrachte, werde ich an Almas und Théos Geschichte denken.

Ich kann diesen wunderbaren Liebesroman allen empfehlen, die etwas jenseits des üblichen Kitsches und oberflächlicher Leidenschaft suchen und mehr Wert auf Poesie und echte Gefühle legen – und Geschichten schätzen, die nicht einfach enden, sondern bleiben.