Welche Farbe hat die Liebe, wenn Gewissheit schwindet?

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In ihrem Debütroman „Weißer Sommer“ erzählt Eva Pramschüfer von Alma und Théo: zwei Individualisten, verbunden durch Liebe, durch Gewohnheit und durch die Frage, ob beides noch trägt. Im Sommerhaus von Almas Eltern kommen sie ein letztes Mal zusammen, um sich ihrer Gefühle füreinander zu vergewissern.

Zwischen der Sehnsucht nach Nähe und dem Bedürfnis nach Selbstentfaltung beginnen sie, ihre Beziehung zu vermessen. Erinnerung für Erinnerung. Als ließe sich Nähe berechnen. Als hätte Liebe eine Halbwertszeit.

Die eigentliche Auseinandersetzung bleibt dabei weitgehend in der Vergangenheit. In Rückblenden setzt sich die Geschichte von Alma und Théo zusammen: fragmentarisch, kreisend, suchend. Wir erfahren, was sie verbindet und was längst begonnen hat, sie voneinander zu lösen.

Pramschüfers Sprache ist von beeindruckender Feinheit. Poetisch, tastend, beinahe zärtlich im Blick auf die Dinge. Szenen entfalten sich wie Gemälde: detailreich und vielschichtig.

Und doch bleibt eine gewisse Distanz. Das bewusste Umkreisen statt klarer Zuspitzung und der ruhige Erzählfluss lassen wenig Raum für Dynamik. So entsteht zwar eine eigene, fast filmische Bewegung, aber auch eine spürbare Skizzenhaftigkeit.

Gern wäre ich tiefer in die Auseinandersetzung der beiden Figuren eingetaucht, hätte mir gewünscht, dass sich das Beziehungsdrama stärker entfaltet und mich mitreißt, statt über weite Strecken an der Oberfläche zu bleiben. Ich hätte mir mehr Gegenwart gewünscht, mehr unmittelbares Erleben statt überwiegend erinnerter Momente. Einige Szenen sind wundervoll detailreich, verlieren dabei jedoch den Fokus auf den zentralen Konflikt und schwächen so die emotionale Bindung zum Text.

So bleibt für mich am Ende ein flüchtiger Eindruck. Sprachlich schön, in seinen Bildern und in seiner Zurückhaltung überzeugend und doch ohne nachhaltige Wirkung.

Vielleicht ist genau das die Absicht dieses Textes: nicht festzuhalten, sondern zu streifen; nicht zu überwältigen, sondern offen zu lassen.

„Weißer Sommer“ ist ein Roman für Leser:innen, die atmosphärische, szenische Erzählweisen schätzen und sich gern auf eine reduzierte, offene Form des Erzählens einlassen.