Zwischen Suchen und Finden

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Eva Pramschüfer wird mir immer mal wieder in den sozialen Medien angezeigt. Ich schätze ihre Gedanken zu ihren Lieblingsbüchern, sowie ihre Einblicke in den Schreibprozess und war deswegen sehr neugierig auf ihren ersten eigenen Roman.

Wir folgen Alma und Théo, die seit einigen Jahren zusammen sind. Kennengelernt in Frankreich nach dem Tod von Almas Großvater, jetzt sind sie wieder dort, aber aus einem anderen Grund. In der letzten Zeit sind (Vertrauens-)Brüche in ihrer Beziehung entstanden, ein Allein-sein, obwohl sie doch eigentlich immer zusammengepasst haben. Innerhalb von einer Woche wollen sie entscheiden, wie es für sie weitergehen soll.

In in die Geschichte zu finden, fiel mir nicht ganz leicht. Nach dem eindrücklichen Einstieg über die Gedanken des Hauses bezüglich seiner Bewohner, hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich ein Gefühl für die Charaktere und auch die Handlung bekommen habe. Bis zum Ende bleibt für mich ein Gefühl der Zerrissenheit, wenn ich an den Roman denke. Ich werde versuchen meine Gedanken in dieser Rezension ein wenig zu entwirren.

Die Sprache ist zweifelsohne wunderschön. Präzise fängt die Autorin die Stimmung in Frankreich, aber auch in München ein, beobachtet genau und lässt einen immer wieder denken: ja, genauso ist das. Ich bin selbst eine Frau in meinem Zwanzigern, deshalb haben sich auch viele Gefühle, gerade das Verloren sein sehr vertraut angefühlt. Es war heilsam zu beobachten, wie die beiden Charaktere diese Schritte in ihrem Leben navigieren, sich selbst versuchen zu entfalten und dabei feststellen müssen, dass die andere Person vielleicht nicht mehr zu ihnen passt. Dieses selbst noch nicht ganz wissen (oder unterbewusst vielleicht doch?), der Wunsch an einer eigentlich doch stimmigen Beziehung festzuhalten, hat mich berührt. Besonders haben mich aber die Gedanken zum Kinderwunsch und auch zu dem eigenen (verzerrten) Blick auf geliebte Personen zum Nachdenken gebracht. Das Buch hat einige solche Momente, die mich sicher auch noch eine ganze Weile begleiten werden.

Gleichzeitig ist die Geschichte sehr langsam erzählt. In der Gegenwart schleichen Alma und Théo umeinander herum, in der Vergangenheit erfahren wir bruchstückweise, wie sich ihre Beziehung entwickelt hat.
Insgesamt sind die Charaktere für mich auf Distanz geblieben, wurden nicht ganz greifbar. Die Beziehung der Beiden hat sich an vielen Stellen für mich kühl angefühlt, so als würde ich zwar beobachten, aber nicht wirklich verstehen, warum Alma und Théo sich lieben. Die Tiefe von der mir erzählt wurde, konnte ich eigentlich nur in den Szenen am Ende spüren.

So fühlte sich die Handlung an manchen Stellen nicht ehrlich an, sondern eben wie eine Film über das Leben in den Zwanzigern. Vielleicht stoße ich mich da an Kleinigkeiten, aber irgendwie war es frustrierend zu sehen mit welcher Selbstverständlichkeit die Protagonisten bestimmten Wünschen in ihrem Leben folgen können. Die Geschichte der Beiden hatte plötzlich etwas konstruiertes, hat sich eher wie die Vorstellung 20 zu sein angefühlt, als die Realität das tatsächlich zu sein. Ich weiß, dass wir alle am Ende unterschiedliche Erfahrungen machen, gerade Alma sehr privilegiert ist und dadurch andere Möglichkeiten hat und vielleicht geht es abgesehen davon am Ende eben auch mehr um die Stimmung, die Vorstellung. So weh es mir tut: Mir hat leider etwas gefehlt, ohne genau sagen zu können, was das war.

Fazit:
Insgesamt war "Weisser Sommer" für mich ein Buch, welches mit seiner wunderschönen Sprache, sowie präzisen Beobachtungen in Erinnerung bleibt. Leider hat mich der Roman trotzdem zerrissen zurückgelassen, da er sich für mich an manchen Stellen eher konstruiert & bekannt angefühlt hat.
3,75 von 5 Sternen