Ein ruhiger Roman über die Frage, was ein gutes Leben ausmacht

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„Weiter Leben“ von Patrick Charnley ist ein berührender Roman, der ohne großes Drama auskommt. Im Mittelpunkt steht Jago Trevarno, der vierzig Minuten klinisch tot war und seitdem mit den Folgen einer Gehirnschädigung lebt. Vieles, was früher selbstverständlich war, funktioniert nicht mehr. Er ist schnell überfordert, kann mehrere Dinge kaum gleichzeitig verarbeiten und muss lernen, sein Leben völlig neu zu gestalten.

Auf dem abgelegenen Hof seines Onkels findet Jago einen Ort, an dem genau das möglich scheint. Das einfache Leben ohne Strom, der Rhythmus der Natur und die tägliche Arbeit geben ihm Halt. Besonders diese ruhige Atmosphäre und die Nähe zur Natur haben mir beim Lesen sehr gefallen.

Dabei greift der Roman viele Themen auf: Familie, Liebe, Freundschaft und Gemeinschaft, aber auch Verlust, Veränderung, neue Ziele und die Frage, was ein erfülltes Leben eigentlich ausmacht. Für Jago ist sein neuer Alltag nicht immer einfach, doch er versucht, das Beste daraus zu machen. Besonders eindrucksvoll fand ich, dass der Autor Jago nicht als hilfloses Opfer darstellt. Stattdessen wird sehr feinfühlig deutlich, dass ein anderes Leben nicht automatisch ein schlechteres sein muss. Jago muss vieles aufgeben, gewinnt dafür aber auch etwas: Zeit, Ruhe und einen neuen Blick auf die Welt.

Eindrucksvoll erzählt war auch die Begegnung mit seiner früheren Freundin. Sie müssen sich vorsichtig annähern und herausfinden, wer sie inzwischen geworden sind. Diese Entwicklung fand ich glaubwürdig und schön erzählt.

Dass Patrick Charnley teilweise eigene Erfahrungen in die Geschichte einfließen lässt, ist spürbar und verleiht dem Roman eine besondere Authentizität. Ganz nebenbei habe ich beim Lesen einiges darüber erfahren, wie sich das Leben mit einer Gehirnschädigung verändern kann.

Auch äußerlich ist das Buch mit seinem Leineneinband und der malerischen Küstenszene wunderschön gestaltet und passt sehr gut zur Atmosphäre der Geschichte.

Für mich ist „Weiter Leben“ vor allem ein Roman über die Fähigkeit, sich auf ein verändertes Leben einzulassen. Manchmal müssen neue Wege gefunden, andere Dinge ausprobiert und die eigenen Vorstellungen von Glück und Erfüllung neu gedacht werden.