Ein ungewöhnliches Tempo, das zur Geschichte passt

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danshi Avatar

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Bei „Weiterleben“ musste ich mich zunächst auf ein deutlich ruhigeres Erzähltempo einstellen, als ich es von vielen Romanen gewohnt bin. Im Nachhinein erscheint mir gerade das sehr passend, denn auch Jagos Leben hat sich nach seinem Herzstillstand grundlegend verlangsamt. Mehrere Dinge gleichzeitig zu bewältigen überfordert ihn, sodass er seinen Alltag anders strukturieren muss als zuvor. Der abgeschiedene Hof seines Onkels Jacob in Cornwall bietet dafür einen glaubwürdigen Rahmen. Viele Abschnitte konzentrieren sich auf die täglichen Arbeiten, die Tiere und das Leben im Rhythmus der Natur. Dadurch entsteht eine sehr ruhige Atmosphäre, die man als Leserin allerdings mögen muss. Mir gefiel, dass der Roman Jagos Einschränkungen nicht nur erwähnt, sondern sein verändertes Leben zum eigentlichen Mittelpunkt macht. Auch Jacob fand ich als Figur angenehm, vor allem durch die Ruhe und Fürsorge, mit der er Jago begegnet. Einen deutlichen Gegenpol bildet Bill Sligo, durch den später mehr Spannung in die Handlung kommt. Dieser Teil verändert das Tempo merklich, ohne dass Jagos persönliche Geschichte dadurch völlig in den Hintergrund rückt. Sprachlich bleibt Patrick Charnley eher schlicht und bedächtig, was für mich gut zu Jago passt. Dass der Autor selbst einen Herzstillstand überlebt hat, verleiht dem Thema zusätzliches Gewicht. Das Cover hätte mich vermutlich auch ohne Kenntnis des Inhalts angesprochen, weil die einsame Landschaft sofort neugierig auf den Schauplatz macht. Wer eine durchgehend temporeiche Handlung erwartet, könnte mit den ruhigeren Passagen weniger anfangen können. Ich habe mich jedoch gern auf diese besondere Erzählweise eingelassen und vor allem Jagos langsames Ankommen auf dem Hof in Erinnerung behalten.