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Der Roman „Weiterleben“ von Patrick Charnley umfasst 288 Seiten und erzählt die bewegende Geschichte des zwanzigjährigen Jago Trevarno, dessen Leben sich nach einem schweren Herzstillstand und einer dadurch verursachten Hirnverletzung völlig verändert. Nach seiner Genesung zieht Jago zu seinem Onkel Jacob auf einen abgelegenen Hof an der Küste Cornwalls, wo er versucht, mit seinem neuen Leben zurechtzukommen. Jago ist dabei ein ungewöhnlicher und sehr glaubwürdiger Hauptprotagonist. Er kann sich nicht mehr so schnell konzentrieren wie früher, ist leicht überfordert und muss viele Dinge langsamer angehen. Gerade dadurch nimmt er seine Umgebung besonders intensiv wahr. Die Beziehung zu seinem fürsorglichen Onkel Jacob spielt eine wichtige Rolle, denn Jacob gibt Jago Sicherheit, ohne ihn zu bevormunden.

Besonders beeindruckend ist die Beschreibung der Landschaft Cornwalls. Der Hof liegt an der Küste in der Nähe von St Ives, zwischen Meer, Klippen, Feldern und kleinen Wegen. Die raue, gleichzeitig wunderschöne Landschaft wird sehr bildhaft beschrieben und vermittelt dem Leser das Gefühl von Weite, Ruhe und Abgeschiedenheit. Sie passt hervorragend zu Jagos Entwicklung, denn auch er braucht nach seinem schweren Schicksal Zeit und Ruhe, um wieder Vertrauen in das Leben zu finden. Die Natur wird dadurch fast zu einem weiteren wichtigen Bestandteil der Handlung.

Sprachlich ist der Roman auffallend ruhig, klar und bildhaft. Charnley verwendet eher kurze und einfache Sätze und erzählt aus Jagos persönlicher Perspektive. Dadurch bekommt man einen unmittelbaren Einblick in seine Gedanken und seine veränderte Wahrnehmung. Gleichzeitig gelingt es dem Autor, mit wenigen Worten starke Bilder der Landschaft und des einfachen Lebens auf dem Hof zu erzeugen. Neben der ruhigen und gefühlvollen Handlung entsteht durch den Konflikt mit dem zwielichtigen Bill Sligo auch Spannung. Insgesamt verbindet „Weiterleben“ eine Geschichte über Krankheit, Verlust und Neuanfang mit einer spannenden Handlung und einer eindrucksvollen Landschaft. Besonders gelungen ist, dass der Roman trotz seines ernsten Themas nicht bedrückend wirkt, sondern Hoffnung, Ruhe und Lebensmut vermittelt. Für mich ist „Weiterleben“ deshalb ein berührender Roman über die Frage, wie man nach einem einschneidenden Erlebnis lernen kann, sein Leben neu anzunehmen.