Im neuen Takt

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
milena Avatar

Von

Dem britischen Autor Patrick Charnley ist 2021 etwas Furchtbares widerfahren. Nach einem Herzstillstand, der ihn fast das Leben gekostet hätte, wurde er wiederbelebt und hat daher begonnen zu schreiben, um das Erlebte zu verarbeiten. Jago Trevarno ist seine Hauptfigur im Roman "Weiterleben", der nach einem Herzstillstand von 40 Minuten ins Leben zurückgeholt wurde, aber seither unter Beeinträchtigungen leidet. Den Namen Jago hat sich Patrick Charnely vom Bilderbuch seiner als Schriftstellerin bekannten Mutter Helen Dunmore ausgeliehen, wie er im abschließenden Dankeswort erwähnt.
Der junge Jago sagt über sich : "Ich war einer, der sich bremsen musste, der sich zwingen musste, im Moment zu bleiben; jetzt habe ich kein Wahl mehr. Jetzt bin ich langsam; ich muss alles einzeln machen, meine ganze Aufmerksamkeit auf eine einzige Sache richten." (S. 69) Jago wird nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus von seinem Onkel Jacob aufgenommen, da er ansonsten keine engeren Verwandten mehr hat und ein eigenständiges Leben in Bristol nicht möglich ist. Jacob lebt im Gleichschritt mit der Natur und den Jahreszeiten ein sehr bescheidenens - man könnte auch modern sagen nachhaltiges- Leben auf einer Farm in Cornwall, die ihn mit dem Nötigsten versorgt. In dieser Umgebung kann und soll Jago soweit als möglich genesen. Spannung in die Schilderung des sehr gemächlichen und von gegenseitiger Fürsorge geprägtem Lebens mit seinem Onkel kommt durch den Widerstand gegen die Machenschaften des missgünstigen und kriminellen Nachbarn Bill Sligo. Mir hat der Roman ausgeprochen gut gefallen, weil er ein Plädoyer für das ist, was tatsächlich im Leben zählt, und auch darauf aufmerksam macht, dass man am genauen Blick auf die Natur und den Veränderungen der Jahreszeiten viel Lebensfreude gewinnen kann.